Zum Bericht „Was der digitale Euro kann“ (Wirtschaftsseiten):
Der Artikel hinterlässt leider den Eindruck einer ausschließlich am Interesse der Machthabenden orientierten Berichterstattung. Früher nannte man so etwas Hofberichterstattung. Insbesondere enthielt der Artikel keinerlei Hinweise auf zu erwartende Nachteile, Zusatzkosten und Ähnliches für die EU-Bürger und für den europäischen Handel. Am 9. Juli hat das Europäische Parlament für die Einführung des digitalen Euro gestimmt. Leider erschien in der Zeit dazwischen kein ergänzender oder relativierender Artikel zu dieser Thematik. Offen bleiben Fragen wie: Wer braucht es? Wem nützt es? 5,77 Milliarden plus 1,3 Milliarden Euro werden doch wohl nicht ausgegeben, nur um den EU-Bürgern einen Gefallen zu tun. Digital bezahlen kann der EU-Bürger auf eigenen Wunsch ja längst mit selbst auszuwählenden Debit- oder Kreditkarten. Was kommt da für eine neue Machtkonzentration in die Hand der EZB: Ausgabe von digitaler Währung, Zahlungsabwicklung, zunehmend unbegrenzte Kontrolle der digitalen Umsätze, technische Möglichkeit, das Umsatzverhalten der EU-Bürger durch ein Verfallsdatum des digitalen Brieftaschenbestands zu steuern und so weiter. Diese Entwicklung sollte jedenfalls durch die „Vierte Gewalt“ viel kritischer und gegebenenfalls durch Interviews mit neutralen Finanzexperten begleitet werden.
Dietrich Hertel
Rosenheim