Zum Leserbrief „Institutionelle Erhaltung statt moralische Klarheit“ (Leserbriefseiten):
Die Autorin wirft Kardinal Faulhaber vor, ihm sei es allein um den Erhalt der Institution Kirche gegangen. Hierzu ist zunächst einmal festzuhalten: Die Erhaltung der Institution ist für die Kirche kein Selbstzweck. Sie hat sich um das ewige Heil der Menschen zu kümmern. Sie gibt hierzu den Menschen Wegweisung und vermittelt ihnen die Gnade Gottes in den Sakramenten.
Es ist klar, dass sie bemüht sein muss, diesen Auftrag sicherzustellen. Die Autorin behauptet dann, dies sei auf Kosten der „Menschlichkeit“ gegangen. Sie meint, Faulhaber habe keinen Widerstand geleistet und so „dem NS-Regime in dessen entscheidender Konsolidierungsphase die notwendige Ruhe“ geliefert.
Das ist eine reichlich absurde Behauptung. Nach der Machtergreifung haben die Nazis jeden Widerstand brutal niedergewalzt. Dass Proteste der Kirche irgendetwas bewirkt hätten, entbehrt jeglicher Realität. Kardinal Faulhaber hat an seiner entschiedenen Gegnerschaft zur NS-Ideologie nie einen Zweifel gelassen. In den Adventspredigten von 1933 verteidigte er die bleibende Gültigkeit des Alten Testamentes, das als „jüdisch“ diffamiert wurde. Diese Predigten erregten damals nicht geringes Aufsehen und wurden als Zeugnis gegen den Nationalsozialismus wahrgenommen. Er verfasste zu großen Teilen die Enzyklika „Mit brennender Sorge“, die Papst Pius XI. 1937 gegen die NS-Weltanschauung richtete. 1938, kurz nach der Reichspogromnacht, demolierte ein Nazi-Mob die Fassade des erzbischöflichen Palais und warf die Fensterscheiben ein. Die Fronten – katholische gegen nationalsozialistische Weltanschauung – waren klar.
Dr. Josef Steininger
Feldkirchen-Westerham