Kaum Raum für Bedürfnisse

von Redaktion

Zum Bericht „Ein Manifest voller Hass“ (Bayernteil):

Der Amoklauf in Schongau ist eine Tragödie – aber keine Überraschung. Solche Verzweiflungstaten entstehen nicht aus dem Nichts. Sie sind Ausdruck einer gesellschaftlichen Logik, die seit Langem wirkt: der „Römisch-Preußischen-Logik“ (RPL), die Gefühle geringschätzt, Bedürfnisse übergeht und Leistung trotzdem einfordert.

Wir leben in einer Struktur, die Menschen funktional behandelt, aber kaum Raum für Bedürfnisse und Belastungsgrenzen lässt. Wer nicht mehr kann, wird oft als „Problem“ gesehen, statt als Mensch mit einem legitimen Bedarf an Unterstützung.

Diese systemische Blindheit erzeugt Druck, Einsamkeit und emotionale Verhärtung. Wenn Gefühle wegrationalisiert werden, entstehen innere Spannungen, die irgendwann nach außen brechen – manchmal tragisch, wie in Schongau.

Es wäre an der Zeit, nicht nur über einzelne Täter zu sprechen, sondern über die Bedingungen, die solche Taten begünstigen. Ein System, das Menschen dauerhaft überlastet, darf sich nicht wundern, wenn es an seinen eigenen Widersprüchen scheitert. Wir brauchen eine Kultur, die Menschen ernst nimmt – nicht nur ihre Leistung.

Elisabeth Sailer

Rosenheim

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