Zum Leserbrief „Entschiedener Gegner der NS-Ideologie“ (Leserbriefseiten):
Kardinal Faulhabers politisches Agieren im Jahr 1933 und den Folgejahren war geprägt von massiver Anpassung und Loyalitätsbekundung gegenüber dem NS-Regime. Wie viele Kleriker sah er im Bolschewismus den „Teufel schlechthin“ und verklärte Hitler zum vermeintlichen Erlöser.
Aus Angst vor dem Kommunismus ließ sich die Kirchenführung bereitwillig vor den Karren der Diktatur spannen. Zwar wird oft auf Faulhabers berühmte Adventspredigten von 1933 verwiesen, doch offenbart ein genauer Blick eine tiefe Widersprüchlichkeit: Im selben Jahr beteuerte er handschriftlich und „aus der Seele“ an Hitler, dieser habe in sechs Monaten weltgeschichtlich mehr verwirklicht, was die alten Parlamente in 60 Jahren nicht schafften.
Während Hitler das Land in Terror und Krieg steuerte, zementierte die Kirchenhierarchie das bedingungslose Gehorsamsgebot. Faulhaber war gewiss kein Nazi, doch Historiker betonen zu Recht: Kein Nationalsozialist zu sein, schützte nicht davor, ein willfähriger Steigbügelhalter zu sein. Legalität und Gehorsam gegenüber der Obrigkeit standen für ihn über allem – selbst dann, wenn diese verbrecherisch handelte.
So verurteilte er nicht nur jeglichen Widerstand strikt als Sünde, sondern bezeichnete in seinen Tagebüchern sogar das Attentat auf Hitler 1944 als „ruchloses Verbrechen“. Während Millionen Menschen unter der Tyrannei litten und ermordet wurden, schwieg die Kirchenführung, um die eigene Institution zu sichern. Eine historische Verantwortung, die bis heute nachwirkt.
Gudrun Baumann-Sturm
Raubling