Zur Debatte um Meinungsfreiheit und politischer Korrektheit (Politikteil):
Was darf man? Was darf man nicht? Was kann man sagen? Was darf man nicht sagen? Wir leben in einer Epoche, in der das Sagbare und das „Dürfen“ zunehmend von Medien, Kulturschaffenden und politischen Akteuren definiert wird. Weibliche Ästhetik in der Werbung wird als „Sexualisierung und Ausbeutung“ gebrandmarkt – während das offene Zur-Schau-Stellen von Sexualität bei CSD-Veranstaltungen als „sexuelle Freiheit“ gefeiert wird. Zwischenmenschliches Verhalten wird für alle moralisch eingeordnet und klar definiert, unabhängig davon ob es von einzelnen Menschen und Gruppen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Kultur als übergriffig oder als harmlos empfunden wird. Unsere Sprache wird politisch aufgeladen, der Meinungskorridor wird dadurch enger. Man kann ein „Wiener Schnitzel“ mit einem „Russen“ oder „kühlen Blonden“ bestellen – aber kein „Zigeunerschnitzel“. Man darf an Fasching als Cowboy gehen, aber nicht als Indianer. Was früher im gesellschaftlichen Kontext als normal oder frech empfunden wird jetzt politisch und medial gebrandmarkt. Diese Widersprüche sind kulturell wie gesellschaftlich nicht akzeptabel. Dabei war das nicht immer so. Von den 1980er- bis in die 2000er-Jahre brauchten wir diese Debatten nicht. Wir konnten reden und handeln – in einem breiten gesellschaftlichen Diskurs und Konsens, in großer Freiheit. Meinungen wurden ausgehalten und geschätzt, nicht geächtet. Vielleicht sollten wir diesen Blick zurück als Weg nach vorn begreifen. Das Grundgesetz gibt jedem von uns das Recht auf persönliche Freiheit und Entfaltung – die Grenzen bestimmt das Gesetz, nicht der Zeitgeist. Wir sollten diese Freiheit selbstbewusst leben und uns nicht einschränken lassen: weder von uns selbst, noch von den moralischen Bedenken anderer.
Hubert Kirmaier
Edling