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Steht ein neuer Dividendenrekord an?

von Redaktion

Bundestagwahl ist Ende September – vier Wochen davor kümmert das die Börse wenig. „Da ist keine aktienmarktbeeinflussende Entwicklung zu erwarten“, sagt Christian Kahler, Aktienstratege der DZ Bank. Aus einem einfachen Grund: „Zu unspektakulär erscheinen die Wahlprognosen wie auch die Wahlprogramme.“ An dieser Einschätzung wird sich auf dem Parkett auch in den nächsten Wochen kaum etwas ändern.

Aktienstrategen und Börsianer schauen in diesen Tagen auf andere Faktoren. Da rückt zunehmend neben der US-Notenbank Fed die Europäische Zentralbank (EZB) in den Blick. „Darauf liegt im September klar der Fokus“, sagt Robert Greil, Chefstratege vom Bankhaus Merck Finck. Wann leitet die EZB die Zinswende ein oder gibt zumindest erste Signale dazu? Am 7. September trifft sich der Rat der EZB zu seiner nächsten Sitzung. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat gerade wieder einmal deutlich gemacht, dass er das allmähliche Ende der Staatsanleihe-Käufe geboten sieht. EZB-Präsident Mario Draghi hält sich noch zurück. Diese Unklarheit ist ein Grund dafür, dass sich die Börse nur seitwärts bewegt. Rund 12 180 Punkte waren es im Deutschen Aktienindex Dax zum Wochenschluss, gerade mal rund 15 Punkte mehr als eine Woche zuvor.

Daneben schauen die Börsianer auf das wirtschaftliche Umfeld. Und da sieht es gut aus: Die Wirtschaft brummt, Prognosen für das Wachstum werden erhöht, die Manager bleiben zuversichtlich wie der jüngste Index des Münchner Ifo-Instituts zeigt. Das hat dann auch Auswirkungen auf die Unternehmen und ihre Gewinne. Andreas Hürkamp von der Commerzbank sagt schon jetzt einen neuen Dividendenrekord voraus. „Der Markt geht derzeit davon aus, dass 27 der 30 Dax-Firmen ihre Dividenden anheben werden.“ Mit 35,4 Milliarden Euro dürften die Ausschüttungen für 2017 rund 12 Prozent über denen des Vorjahres liegen. Daneben läuft bei sechs Dax-Firmen ein Aktien-Rückkauf-Programm. Auch das stützt die Kurse. DZ-Bank-Stratege Kahler erwartet weiter 13 000 Dax-Punkte zum Jahresende und 13 500 Mitte 2018. „Anleger sollten jetzt partiell kaufen und im größeren Umfang nach der Bundestagswahl.“ Aber es gibt auch mahnende Stimmen. Steigende Zinsen und ein noch stärkerer Euro und höhere Rohstoffpreise könnten den Aufschwung bremsen. Und damit auch die Aktienkurse. Manch einer sieht den Dax auf 11 000 Zähler fallen. Aber dann werde es wieder aufwärtsgehen. Andere schauen weiter mit Sorgen in die USA. Präsident Trump sei nur schwer berechenbar. Und hierzulande stehen die Autokonzerne unter intensiver Beobachtung. rolf obertreis

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