Die irische Billig-Airline Ryanair hat weitere Flugstreichungen bis in das nächste Frühjahr hinein angekündigt. Von November an würden 25 Maschinen der insgesamt 400 Maschinen starken Flotte weniger eingesetzt, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Dublin mit. Das werde zu einer Reihe von Änderungen im Flugplan führen, davon seien rund 400 000 Passagiere betroffen. Gestrichen werden von November bis März laut Ryanair etwa 18 000 der 800 000 Flüge pro Jahr. Ab April werden dann insgesamt zehn Flugzeuge weniger eingesetzt. Ryanair kämpft derzeit mit erheblichen Planungsschwierigkeiten und einem Mangel an Reservepiloten. Für die betroffenen Kunden sollen Umbuchungen gefunden werden, oder sie könnten sich ihre Kosten rückerstatten lassen.
Ryanair hatte bereits vor knapp zwei Wochen überraschend bekannt gegeben, dass bis Ende Oktober bis zu 2100 Flüge ausfallen und damit empörte Reaktionen von Kunden ausgelöst. Als Grund gab die Fluggesellschaft „Schwierigkeiten mit der Planung des Jahresurlaubs“ der Piloten für September und Oktober an. Von den mehr als 2000 Streichungen bis Ende Oktober sind rund 315 000 Kunden betroffen.
Mehr als die Hälfte der für Ryanair arbeitenden Piloten sind nicht bei der Airline direkt angestellt, sondern arbeiten nach Angaben der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) als „Scheinselbstständige“. Sie müssen eine eigene Kapitalgesellschaft nach britischem Recht gründen und sich dort selbst anstellen, meist sind es kleine Firmen von rund fünf Leuten. Ihre Arbeit verkaufen sie an eine zwischengeschaltete Mittlerfirma, die wiederum von Ryanair Aufträge entgegennimmt und verteilt. Die Piloten werden nur dann bezahlt, wenn sie auch fliegen.
Die meisten Ryanair-Piloten haben somit keine klassischen Arbeitnehmerschutzrechte wie einen Kündigungsschutz oder eine Entgeltfortzahlung bei Krankheit. Außerdem drohen ihnen bei einem Aufbegehren Auftragseinbußen.
Die „atypisch beschäftigten“ Piloten des irischen Billigfliegers müssen zudem für ihre Uniform und jedes Wasser, das sie an Bord trinken, selbst zahlen und Rücklagen für den Krankheitsfall bilden. Am Ende bleibe deutlich weniger Lohn als für normal angestellte Piloten übrig. Außerdem ist die Gefahr groß, dass Piloten krank zur Arbeit erscheinen, was wiederum ein Sicherheitsrisiko darstellt.
Die betroffenen Ryanair-Piloten fordern regionale Arbeitsverträge mit einer sozialen Absicherung – also einen Vertrag nach dem Arbeitsrecht des jeweiligen Landes, in dem sie stationiert sind. Ryanair habe nun zwei Möglichkeiten, droht die Gewerkschaft: Entweder die Führung versuche „endlich mit anständigen Methoden“ eine Lösung zu finden oder es drohe „noch mehr Chaos“. Der Airline sollen bereits massenhaft Piloten weglaufen.
Der Ryanair-Vorstand hat seinen Piloten an mehreren Standorten bereits vergangene Woche Gehaltserhöhungen von bis zu 10 000 Euro jährlich zugesagt. afp