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Bergfahrt am Aktienmarkt

von Redaktion

Wieder eine Woche mit neuen Rekorden. Und am Freitag erstmals 13 500 Punkte im Deutschen Aktienindex Dax. Selbst der um die Dividenden bereinigte Dax-Kursindex hat zum ersten Mal seit April 2015 wieder einen neuen Höchststand erreicht. Trotzdem: Von Euphorie ist auf dem glatten Börsenparkett wenig bis nichts zu spüren. Umgekehrt auch nicht von Nervosität. Joachim Goldberg vom gleichnamigen Unternehmen – er analysiert die Stimmung an der Börse – sieht zwar Optimismus, aber generell keinen Überschwang. „Es tanzen noch längst nicht alle auf dem Vulkan.“

Am positiven Umfeld für den Aktienmarkt hat sich nichts geändert. Die Zinsen in Europa bleiben im Keller, bei Sparanlagen und Anleihen ist wenig bis nichts zu holen. Die Wirtschaftsaussichten auch für 2018 sind gut – in den Industrie- und in den Schwellenländern. Die Inflationsrate ist (von wenigen Ausnahmen abgesehen) niedrig. Das alles deutet auf steigende Unternehmensgewinne. Und damit auch auf höhere Dividenden: Sie sollen für die 30 Dax-Firmen um 12 Prozent auf den neuen Rekord von 35 Milliarden Euro klettern. Goldberg spricht von einer sogenannten Goldilocks-Umgebung: eine Wirtschaftslage, die sich durch Wachstum über dem Trend und eine Inflation unter dem Trend auszeichnet.

Da stört Börsianer und Anleger wenig, dass die bislang vorgelegten Quartalsberichte „nicht zufriedenstellend“ ausgefallen sind, sagt Markus Wallner von der Commerzbank. 23 Prozent der Dax-Firmen hätten die Erwartungen übertroffen, 62 Prozent erfüllt und 15 Prozent schwächer abgeschnitten. Die Bilanz sei damit schlechter als vor einem Jahr und schlechter als im Durchschnitt. Ähnlich sieht es Alexander Lokat von der Weberbank. Aber trotzdem sieht es für die Gewinne aufs ganze Jahr gesehen gut aus.

Seit Wochen warnt dagegen Markus Reinwand von der Helaba. „Langsam wird es abenteuerlich“, sagt er jetzt. Er sieht Überhitzungstendenzen, man solle nicht auf den fahrenden Zug aufspringen. Und zitiert Börsen-Altmeister Andre Kostolany: Einer Straßenbahn und einer Aktie dürfe man nie nachlaufen. Geduld müsse man haben. Die nächste Gelegenheit komme mit Sicherheit.

Christian Kahler von der DZ Bank lässt sich nicht beirren. Mit dem Dax gehe es auch 2018 angesichts des guten Umfeldes weiter nach oben, so deutlich, dass er das Kursziel hochsetzt. Auf 13 800 – statt 13 500 – für Mitte 2018 und auf 14 000 Zähler Ende nächsten Jahres. Zwischendrin könne es sogar noch höher gehen. Politische Ereignisse wie die Krise in Spanien und das mögliche Wiederaufflammen des Nordkorea-Konflikts sind derzeit Randnotizen. Aber politische Risiken bleiben auch 2018, sagt Kahler – Nordkorea, die Wahlen in Italien und der permanente Unsicherheitsfaktor Donald Trump. Außerdem verweist er auf die hohe Bewertung des Aktienmarktes in den USA. „Sollte es dort zu einer Korrektur kommen, wäre unser neues Kursziel Makulatur.“ rolf obertreis

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