medizinisch-psychologische Untersuchung

Bloß nicht zum Idioten werden

von Redaktion

Von Benedikt Frank

Der Schrecken vieler Autofahrer hat drei Buchstaben: MPU. Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung soll nach einem Führerscheinentzug die charakterliche Reife prüfen. Doch wann darf überhaupt eine MPU angeordnet werden? Und wie läuft sie ab? „Mit einer MPU wird festgestellt, ob jemand wieder zum Führen von Kraftfahrzeugen geeignet ist oder ob Bedenken gegen seine körperliche, geistige und charakterliche Eignung bestehen“, erklärt Hasso Suliak vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR).

Eine MPU dauert zwei bis vier Stunden. Sie umfasst neben einem psychologischen Gespräch und einer verkehrsmedizinischen Untersuchung auch einen Computer-Test zur Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit sowie Aufmerksamkeit. Bei Eignungszweifeln kann die zuständige Fahrerlaubnisbehörde eine MPU bei einer amtlich anerkannten Begutachtungsstelle für Fahreignung (BfF) einfordern.

Wann der Fahrer Grund für Zweifel gibt

Eignungszweifel sind zum einen im Straßenverkehrsgesetz (StVG) geregelt. „Das betrifft die Personen, die nach Erreichen von acht Punkten in Flensburg die Fahrerlaubnis entzogen bekommen haben“, erklärt Christian Janeczek, Fachanwalt in Dresden und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). Zum anderen gibt es Regelungen in der Fahrerlaubnis-Verordnung. Hier geht es um die medizinischen, alkoholbedingten und drogenbedingten Eignungszweifel. Im Normalfall wird die MPU bei einem wiederholten Entzug der Fahrerlaubnis angefordert. Wer aber mit mehr als 1,6 Promille Blutalkohol am Steuer erwischt wird, dem droht sie auch beim ersten Mal. Das gilt nicht nur für Autofahrten, sondern auch für Touren mit Rad oder E-Bike.

„Aus Studien weiß man, dass nach einer Trunkenheitsfahrt ab 1,6 Promille Blutalkoholkonzentration die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Auffälligkeit deutlich erhöht ist“, sagt Suliak. Für andere Gründe, die zu einer MPU führen, gibt es Suliak zufolge vergleichbare wissenschaftliche Untersuchungsergebnisse. Dazu zählen Fahrten unter Einfluss von Betäubungsmitteln, erhebliche und wiederholte Verstöße, die zu Punkten in Flensburg führen, oder Hinweise auf ein erhöhtes Aggressionspotenzial.

Wer eine MPU durchführen darf

MPU-Anbieter müssen von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) zertifiziert worden sein, sagt Herbert Engelmohr vom Automobilclub von Deutschland (AvD). Die BASt bietet im Internet eine Übersicht amtlich anerkannter MPU-Stellen in Deutschland an. Mehr als 90 000 Menschen haben sich nach BASt-Angaben 2016 im Rahmen einer MPU begutachten lassen.

Die Überprüfung werde vom MPU-Aspiranten selbst bei der Begutachtungsstelle in Auftrag gegeben, sagt Engelmohr. „Der Betroffene sollte strikt darauf achten, dass er das Gutachten mit dem Ergebnis selbst erhält – und nur ein Gutachten mit positivem Ergebnis an die Behörde weiterleitet.“ Wer durchfällt, kann die MPU beliebig oft wiederholen. Ein Erfolg beim „Idiotentest“, wie die Untersuchung oft genannt wird, ist aber Voraussetzung zur Wiedererteilung der Fahrerlaubnis.

Wichtig zu beachten: Die Fahrerlaubnisbehörde gibt beim Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis einen festen Termin vor, an dem das MPU-Gutachten vorliegen muss. Ist dies nicht der Fall, wird der Antrag auf Wiederausstellung erst einmal abgelehnt.

Kosten und schwarze Schafe

Die Kosten für MPU-Gutachten sind über eine einheitliche Gebührentabelle vorgegeben. „Da aber Zusatzkosten, zum Beispiel für Laborbefunde, anfallen können, muss man bei der Begutachtungsstelle den Zahlbetrag erfragen“, rät Engelmohr. Für eine MPU sei mit einem mittleren dreistelligen Eurobetrag zu rechnen. Die Prüforganisation Dekra weist beispielsweise für eine Alkohol-MPU Kosten von 402,22 Euro aus – ohne Bearbeitungsgebühren und möglicherweise anfallende Laborkosten. Zusätzliches Geld verschlingen außerdem die MPU-Vorbereitungskurse, ohne die ein Erfolg kaum möglich ist. „Je früher man sich vorbereitet, umso besser sind die Erfolgschancen“, heißt es beim ADAC. Bei der Vorbereitung gehe es nicht um das Auswendiglernen von Antworten, sondern um das Aufarbeiten der persönlichen Geschichte.

Aber nicht jeder Anbieter ist seriös: Grundsätzlich haben seriöse Anbieter verkehrspsychologisches Fachpersonal, das mit den Teilnehmern an deren Einstellungen feilt. „Seriöse Vorbereitungskurse bieten beispielsweise überregionale Institutionen wie die Dekra oder die Tüv-Organisationen, ebenso Psychologen mit einer entsprechenden Zusatzausbildung.“ Doch es gibt auch schwarze Schafe: Nicht seriös sind aus BASt-Sicht zum Beispiel Kurse, die mit Schauspielunterricht werben. Es empfiehlt sich daher, zunächst einen kostenlosen Infoabend zu besuchen. Viele der seriösen Anbieter von MPU-Vorbereitungen bieten solche Veranstaltungen an.

Artikel 2 von 5