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Pauschalreisen im Kostencheck

von Redaktion

Pauschalreisen mögen bei manchen Menschen ein Spießerimage haben. Aber sie sind beliebt. Der Anteil organisierter Reisen am deutschen Touristikmarkt ist in den vergangenen 20 Jahren von 41 auf 49 Prozent gewachsen, ergaben Berechnungen der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reise (FUR). Wer eine Pauschalreise bucht, erwartet einen sicheren und entspannten Urlaub. Gibt es dennoch Probleme, kann sich der Kunde einfach an den Veranstalter wenden. Der ist für das meiste oder sogar alles verantwortlich: Anfahrt, Unterkunft, Transfer und Verpflegung, vielleicht auch für Ausflüge. Die Veranstalter versprechen Service, Sicherheit und niedrige Preise.

Preisvergleich für 30 Reisen

Um herauszufinden, wie teuer die Anbieter ihre Urlaubspakete schnüren, haben die Tester der Stiftung Warentest für die Januar-Ausgabe der Zeitschrift „Test“ 30 Reisewünsche definiert und bei jedem Veranstalter die jeweils fünf billigsten Angebote erfasst. Damit können sie zwar keine Aussage über das gesamte Preisspektrum der Unternehmen machen, die Einstiegspreise zeigen aber, in welchem Preisniveau sich ihre Angebote bewegen. Das Ergebnis zeigt deutliche Unterschiede: Im Schnitt kosteten die Pauschalreisen des teuersten Anbieters Dertour ein Drittel mehr als die des günstigsten Schauinsland-Reisen.

Gleiches Hotel, 542 Euro Unterschied

Die Tester haben versucht, vergleichbare Reisen auszuwählen. Hundertprozentig gelingt das selten, weil die Veranstalter nicht immer dasselbe Hotel, dieselbe Airline und dieselben Flugzeiten anbieten. Weitgehend ähnlich sind die Reisen der Stichprobe dennoch. Ein Beispiel: Zehn Tage nach Punta Cana in der Dominikanischen Republik für zwei Erwachsene, Abflug im September 2017, Vier-Sterne-Hotel, all-inclusive – das fanden sie beim teuersten Anbieter Dertour für 2888 Euro. Der günstigste Veranstalter Schauinsland verlangte 2346 Euro. Das macht 542 Euro Unterschied für das identische Hotel „Be Live Collection Punta Cana“ und identische Leistungen, aber bei unterschiedlicher Anreise: Der teurere Veranstalter flog seine Kunden direkt ans Ziel, der billigste mit einem Zwischenstopp.

Wer günstig verreisen will, wird bei Schauinsland, FTI und Neckermann am ehesten fündig. Neckermann hat zudem nur sehr geringe Mängel im Kleingedruckten und engagiert sich vergleichsweise viel für Nachhaltigkeit. In beiden Punkten ist Tui ebenbürtig – allerdings zu deutlich höheren Preisen.

Nachholbedarf bei Nachhaltigkeit

Touristikunternehmen seien wie kaum eine andere Branche auf die Natur- und Kulturschätze der Urlaubsländer angewiesen, schreibt Thomas Cook, zu dem Neckermann Reisen gehört, auf seiner Website. „Daher wird Nachhaltigkeit großgeschrieben.“ Tatsächlich haben die Prüfer bei Neckermann Hinweise auf ein nennenswertes Engagement für Umweltschutz und Soziales gefunden. Bei immerhin drei Veranstaltern sind diesbezüglich – unterschiedlich starke – Bemühungen zu erkennen – neben Neckermann, Tui und Dertour. Die anderen drei (Schauinsland, FTI und Alltours) zeigen wenig bis kein sichtbares Engagement.

AGB: Wenige unzulässige Klauseln

In den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Veranstalter fand die Stiftung Warentest mit einer Ausnahme wenige Mängel. Viele Anbieter nutzen aber erlaubte Klauseln, die wenig verbraucherfreundlich sind. Etwa bei Anzahlungen. Als angemessen galten lange Zeit 20 Prozent des Reisepreises. Inzwischen hat der Bundesgerichtshof die Grenze in mehreren Entscheidungen durch Ausnahmen aufgeweicht. Kann ein Veranstalter etwa nachweisen, dass er die Fluglinie vorab bezahlt, darf er bis zu 40 Prozent als Anzahlung verlangen.

Reizthema Stornokosten

Ein häufiger Streitpunkt sind Stornokosten. Muss ein Kunde die Reise absagen, verlangen Veranstalter je nach Abstand zwischen Rücktritt und Reisebeginn gestaffelte Stornopauschalen. Wie hoch sie sein dürfen, ist nicht gesetzlich geregelt. Juristische Kommentare leiten aus Gerichtsurteilen Empfehlungen ab.

Demnach gilt: 20 Prozent bis 30 Tage vor Abreise, 30 Prozent ab 29. bis 22. Tag, 40 Prozent ab 21. bis 15. Tag, 50 Prozent ab 14. bis 7. Tag, 55 Prozent ab sechs Tage vorher, 75 Prozent bei Nichtantritt. Die Stornokosten der Veranstalter liegen meist darüber. Bei kurzfristigen Absagen betragen sie bis zu 90 Prozent. Das finden die Tester verbraucherunfreundlich. Ob solch hohe Forderungen rechtmäßig sind, müssen im Einzelfall Gerichte entscheiden.

Schlichtungsverfahren sind heute in vielen Branchen üblich, bei Pauschalreisen nicht. Alle geprüften Anbieter erklären, dass sie sich nicht an einer Schlichtung beteiligen. Alltours und Schauinsland verschweigen das vorschriftswidrig in den Geschäftsbedingungen.

Hohe Zufriedenheit unter Kunden

Doch wie steht es um die Zufriedenheit der Kunden mit den Reiseveranstaltern? Im September hat ein Marktforschungsinstitut für die Stiftung Warentest eine Umfrage durchgeführt. Je Anbieter bezog es cirka 400 Kunden ein, die in den vergangenen zwölf Monaten eine Pauschalreise gebucht hatten. Kunden schreiben Tui und Neckermann am häufigsten sehr gute Qualität zu. Günstige Preise sehen sie am ehesten bei Alltours, das steht im Widerspruch zum Kostencheck der Stiftung.

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