Gebrauchtwagenmarkt

Tachobetrug beim Autokauf

von Redaktion

Von Peter Löschinger

Tachobetrug ist in Deutschland strafbar, aber auch sehr lukrativ. Und dank günstiger Geräte ist er einfach zu begehen. Wenn die Betrüger gut arbeiten, sei nichts zu erkennen, berichtet die Stiftung Warentest in der Zeitschrift „Finanztest“ (Heft 02/2018). Laut Schätzungen der Polizei sei mittlerweile jedes dritte Gebrauchtangebot manipuliert, oft sogar um mehr als 100 000 Kilometer. Im Schnitt betrage der Mehrgewinn dabei 3000 Euro pro Auto. „Die Manipulation ist kinderleicht“, schreiben die „Finanztest“-Experten. Der Betrüger schließt ein kleines Gerät an eine Schnittstelle des Pkw an und hat damit Zugang zum elektronischen Innenleben des Pkw. „Da lässt sich auch der Tachostand verstellen, in Sekunden, mit wenigen Klicks.“ „Finanztest“ gibt folgende Tipps, die helfen können, sich vor manipulierten Autos zu schützen:

Papiere

Das Serviceheft des Fahrzeugs muss vorliegen. Liegt das auch Checkheft oder Scheckheft genannte Dokument nicht vor, rät „Finanztest“ von einem Kauf des Fahrzeugs ab. Aber auch hier fälschen die Betrüger. Ein Indiz kann die Stempeltusche sein. Die ändere sich mit der Zeit. So sollten Schwärze und Kontrast über die Jahre unterschiedlich wirken. Verdächtig: In einem alten Heft sehen alle Stempel gleich aus. Am besten sind zusätzlich Prüfberichte und Werkstattrechnungen sowie optimalerweise auch die Zettel der vorangegangenen Ölwechsel verfügbar. Denn auf letzteren sind in der Regel die Kilometerstände notiert. Hier kontrollieren die Käufer, ob die Zeit- und Kilometerangaben glaubwürdig sind.

Der aktuelle Ölwechselzettel hängt meist im Motorraum. Ist der dort angegebene Stand des letzten Wechsels höher als der aktuelle Tachostand, ist der Betrug offensichtlich. Wenn der Wagen bereits in einer Vertragswerkstatt war, lassen sich dort unter Umständen die dort bereits hinterlegten Tachoangaben in Erfahrung bringen. Nicht jeder Hersteller gebe aber auch Auskunft.

Eindruck

Extrem günstige Angebote sollten generell skeptisch machen. Denn im Internet kann sich eigentlich jeder Verkäufer über das realistische Preisgefüge informieren. Gibt der Verkäufer einen guten Grund dafür an, warum er sein Auto etwa nach einer sehr kurzen Haltezeit schon wieder verkaufen will? Macht er generell einen seriösen Eindruck oder preist er das Auto überschwänglich an? Beantwortet er Fragen vernünftig oder hat er Ausreden?

Innenraum

Ein starker Verschleiß im Innenraum etwa an Sitzen, Lenkrad, Schaltknüppel oder Pedalen kann mit einer angeblich geringen Laufleistung ein Indiz sein. Aber auch ein guter Zustand ist noch kein Freifahrtschein. Denn das Interieur wieder aufzuhübschen sei verhältnismäßig günstig, so „Finanztest“. Weitere Hinweise: Die Schaltung fühlt sich weicher an, als der Kilometerstand vermuten lässt, oder das Auto hat übermäßig viele Kratzer auf Scheinwerfern und Frontscheibe.

Vertrag

Die Käufer sollten darauf bestehen, dass der Verkäufer den Kilometerstand verbindlich im Vertrag festschreibt. Formulierungen wie „soweit bekannt“, „laut Vorbesitzer“ und „wie abgelesen“ streicht man besser. Empfohlen dagegen: „Der Tachostand entspricht der tatsächlichen Laufleistung des gesamten Fahrzeugs“.

Rückgabe

Wer ein manipuliertes Auto gekauft hat, kann es unter Umständen zurückgeben oder den Preis mindern. Aber nur dann, wenn der Kilometerstand verbindlich im Vertrag vermerkt ist. Laut Rechtsprechung gilt das auch, wenn der Verkäufer vor Zeugen die Echtheit des abgelesenen Kilometerstandes erklärt hat. In solchen Fällen schütze die Vertragsklausel „Gekauft wie gesehen unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung“ den Verkäufer nicht. Denn die greife nicht, wenn es um von ihm zugesicherte Merkmale geht.

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