Ganze 1302 Euro kostet einen Modellkunden im Basistarif der EuropaGo die Rückstufung der Kfz-Versicherung nach einem Autounfall. 3128 Euro zahlt derselbe Kunde beim Münchner Verein – mehr als doppelt so viel. Es lohnt sich also, bei der Wahl der Autoversicherung auch auf die Rückstufungsregeln zu achten, heißt es bei der Stiftung Warentest. Diese vergleicht in der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift „Finanztest“ 163 Tarife von 64 Gesellschaften. Zudem nennen die Tester drei Wege, wie sich eine Rückstufung vermeiden lässt.
Rückstufung: Oft teurer im Basistarif
Verglichen hat „Finanztest“ die Kosten für einen 40-Jährigen aus Bad Segeberg, der einen Honda Accord fährt. Er ist in Schadenfreiheitsklasse (SF) 15 und kommt auf 15 000 Kilometer pro Jahr. Die Mehrkosten durch die Rückstufung sind nicht sofort fällig, sondern summieren sich über die Jahre. Der Grund liegt im System des Schadenfreiheitsrabatts. Damit belohnen Versicherer unfallfreies Fahren. Nach jedem Jahr kommt der Kunde in eine günstigere SF-Klasse. Nach 15 Jahren ist er meist in SF 15, nach 35 Jahren in SF 35. Das ist meist die günstigste SF-Klasse. Jeder Stufe ist ein Prozentsatz zugeordnet. Ein Satz von 50 Prozent beispielsweise bedeutet, dass der Kunde die Hälfte des Grundbeitrags zahlt. Das ist in fast allen Tarifen gleich.
Umso erstaunlicher sind die großen Unterschiede beim Rückstufen. Nach einem Unfall geht es gleich mehrere Stufen zurück. Um wie viele, ist je nach Versicherer und Tarif unterschiedlich. Die Sparkassen Direkt beispielsweise stuft aus SF 15 in SF 6 zurück. Anbieter wie Europa, Gothaer, VHV und andere nur in SF 7.
Der Unterschied wirkt gering, macht sich aber in Euro und Cent deutlich bemerkbar. Denn der Mehrbeitrag wird so lange fällig, bis der Kunde endlich in der günstigsten SF-Klasse 35 angekommen ist. Im Ergebnis liegen die Kosten bei den meisten Tarifen beim Vier- bis Fünffachen des bisherigen Jahresbeitrags. Aber es gibt deutliche Ausreißer nach oben. Am teuersten wird es in den Basistarifen von Bruderhilfe sowie Huk Coburg und Huk24. Da kostet die Rückstufung fast das Achtfache.
Die Rückstufung greift nur in der Kfz-Haftpflicht und in der Vollkasko, nicht in der Teilkasko. Dort gibt es keine SF-Klassen. Denn die Teilkasko deckt Schäden, die ein Kunde durch seine Fahrweise nicht beeinflusst, etwa Sturm, Hagel, Brand, Diebstahl.
Viele Versicherer bieten mehrere Tarife: oft eine Basisversion, einen Komforttarif mit etwas besseren Leistungen und ein teures Premiumangebot. Der „Finanztest“-Vergleich zeigt: Von denen mit mehreren Tarifen stufen 31 in allen Tarifen gleich zurück. 27 Versicherer hingegen unterscheiden: In den preisgünstigen Basistarifen stufen sie stärker zurück als in den Premiumvarianten. Aber weil die Beiträge im Basistarif günstiger sind, fahren Kunden damit unterm Strich trotz der teureren Rückstufung rein preislich immer noch billiger.
Die Unterschiede machen deutlich: Es ist sinnvoll, bei der Auswahl eines Kfz-Tarifs auch auf die Rückstufung zu achten. Das Problem ist nur: Dafür müssten Autobesitzer bei allen Anbietern ins Kleingedruckte schauen und mühsam die Rückstufungstabellen studieren. Einfacher geht es mit dem Gratisrechner unter test.de/grenzwertrechner im Internet. Damit können Kunden die finanziellen Folgen eines Schadens in verschiedenen Tarifen durchspielen. Zugrunde liegen die Tarifbedingungen, die seit 1. Januar 2018 gültig sind.
So vermeidet man eine Rückstufung
Es gibt drei Wege, eine Rückstufung zu vermeiden:
-Schadenrückkauf: Vor allem bei kleinen Unfällen ist es häufig günstiger, den Schaden nicht vom Versicherer regulieren zu lassen, sondern aus eigener Tasche zu zahlen. Der Onlinerechner nennt den Grenzwert, bis zu dem es günstiger ist, selbst zu zahlen. Autobesitzer müssen sich nicht direkt nach dem Unfall dafür entscheiden. In der Praxis ist es sogar besser, zunächst alles über die Versicherung laufen zu lassen und später „zurückzukaufen“.
In den meisten Kfz-Haftpflichtversicherungen steht, dass Kunden nach einem Unfall sechs Monate, oft auch bis zum Jahresende dafür Zeit haben. In der Vollkasko gibt es aber auch Tarife ohne Schadenrückkauf. Die Versicherung in Vorleistung treten zu lassen, ist günstig, weil zu dem Zeitpunkt, an dem der Versicherer zahlt, meist auch die Endsumme feststeht. Folgekosten sind dann meist berücksichtigt.
-Rabattschutz gegen Aufpreis: Die meisten Autoversicherungen bieten einen Rabattschutz an. Dann wird der Vertrag nicht zurückgestuft, wenn der Kunde einen Unfall verursacht. Das kostet allerdings einen zusätzlichen Aufschlag: oft 15 bis 25 Prozent des Jahresbeitrags. Einen Haken hat der Rabattschutz: Nur die jetzige Versicherung ist daran gebunden. Wechselt der Kunde später, stuft die neue Versicherung ihn so ein, als hätte er einen Unfall gehabt. Dann lohnt sich der Wechsel oft nicht. Es gibt aber auch Versicherer, die die günstige SF-Klasse anerkennen, wenn der Kunde auch bei ihnen einen Rabattschutz abschließt. Viele gewähren den Rabattschutz nur, wenn der Versicherte mindestens in SF-Klasse 4 oder gar SF 6 ist.
-Rabattretter: Ähnlich wie der Rabattschutz funktioniert der Rabattretter. Dann wird zwar die SF-Klasse zurückgestuft, aber nur so weit, dass der prozentuale Beitragssatz erhalten bleibt. Den Rabattretter gibt es nur in den höchsten SF-Klassen. Da sind die Prozentsätze gleich, oft 25 oder 30 Prozent. In neuen Policen gibt es den Rabattretter aber kaum noch. Nur Kunden mit alten Verträgen können häufig noch auf den Rabattretter vertrauen. Für sie lohnt ein Wechsel des Versicherers deshalb nur, wenn der neue Vertrag Rabattschutz bietet und dennoch preisgünstiger ist als der alte.