Es war ein Kinderspiel: Ein Druck mit drei Fingern auf den Knopf, und der erst vierjährige Bub hatte den Gurt in der Hand. Jetzt saß er völlig ungesichert am Rad seiner Mama. Geschehen ist das beim jüngsten Kindersitz-Test der Zeitschrift „Test“. Gleich zwei Sitze von Britax Römer wiesen diesen gefährlichen Mangel auf. Der Jockey Comfort für 100 Euro und der Jockey Relax für 90 Euro ließen sich von den kleinen Testern problemlos lösen. Besonders brisant: Es handelt sich in beiden Fällen um Sitze für etwas größere Kinder bis 22 Kilogramm, die hinter dem Fahrersitz montiert werden. Mama und Papa haben also gar keine Chance zu bemerken, wenn der Sprössling sich während der Fahrt aus dem Staub machen will. „Mangelhaft“ für beide Sitze lautet das strenge Urteil der Tester.
Giftstoffe und eine gebrochene Stütze
Eine Note, die noch zwei weitere Male vergeben werden musste. Im Bellelli Tiger Relax (85 Euro) wurden polyzyklische armomatische Kohlenwasserstoffe gefunden, die als krebserregend gelten: Also durchgefallen. Beim Bobike Exclusive Mini (79 Euro) brach die Fußstütze im Dauertest. So weit, so schlecht.
Doch immerhin neun Sitze schlugen sich im Test sehr ordentlich und bekamen unter dem Strich die Note „gut“. Darunter auch zwei, die wesentlich günstiger waren als die mangelhaften Konkurrenten: Der OK Baby Orion (65 Euro, Montage vor dem Fahrer für Kinder bis 15 Kilogramm) erreichte die Note 2,2, der Polisport Bilby Maxi FF (60 Euro, Montage hinter dem Fahrer für Kinder bis 22 Kilogramm) kam auf 2,4 und der Polisport Guppy Maxi FF (65 Euro, Montage hinter dem Fahrer bis 22 Kilo) die Note 2,5.
Sitze vorn machen es dem Fahrer leichter
Doch auch andere Kindersitze bestanden vor den Augen der Tester. Der Thule Yepp Nexxt Mini (99 Euro, Montage vor dem Fahrer) erreichte mit 2,1 die beste Gesamtnote im Test. Der Hamax Observer (90 Euro, Montage vor dem Fahrer) kam auf 2,2. Die vor dem Fahrer montierten Sitze sind in der Handhabung deutlich bequemer. Bei ihnen behält man die Kinder im Blickfeld. Sie wirken sich kaum auf die Fahrstabilität aus und lassen sich beim Schieben leichter gerade halten. Doch sobald die Kinder die 15 Kilogramm Körpergewicht überschritten haben, ist es mit so viel Bequemlichkeit für die radelnden Eltern vorbei. Die Kleinen müssen samt Kindersitz nach hinten. Je nach Fahrbewegung und Straßenzustand können die Hecksitze sich aufschaukeln – vor allem bei Damenrädern mit tiefem Durchstieg. Und beim Schieben vor allem bergauf muss nun eine Hand auf den Sattel, um das Rad gerade zu halten.
Deutliche Preisunterschiede
Doch auch unter den weniger komfortablen Sitzen fürs Fahrradheck finden sich neben den genannten preisgünstigen eine ganze Reihe gut benoteter: Der Hamax Caress C2 erreicht die Note 2,2, ist aber mit einem Preis von 150 Euro der teuerste im Testfeld. Für 119 Euro gibt es den Thule Yepp Maxi Seatpost, der die gleiche Note erreicht. Der Bobike One Maxi für 100 Euro kommt auf die Bewertung 2,3, der Thule RideAlong für 119 Euro auf 2,4.
Was bei der Montage zu beachten ist
Mit dem Kauf eines Kindersitzes ist es noch längst nicht getan. Er muss auch noch fürs sichere Fahren montiert werden. Und dazu möglichst noch ein Zweibeinständer, denn die verbreiteten Einbeinständer sind bei Rädern mit Kindersitzen oft überfordert. Vorn montierte Sitze dürfen beim Lenken nicht behindern. Die Züge von Bremsen oder Schaltung sollen durch den Sitz nicht eingeklemmt werden.
Auf den Schwerpunkt achten
Bei einer Montage hinter den Sattel muss auf den Schwerpunkt geachtet werden. Das Kreuz an der Seite von Rücksitzen sollte sich keinesfalls mehr als zehn Zentimeter hinter der Achse befinden. Ganz wichtig auch für die Sicherheit der Kinder: Offene Sattelfedern können Kinderfinger quetschen. Sie sollten umhüllt werden.
Außerdem eignet sich nicht jeder Sitz für jedes Rad. Und auch das Werkzeug, das man üblicherweise in einem Haushalt vorhält, dürfte häufig nicht reichen. Ohne Drehmomentschlüssel, der die Schraubkraft beschränkt, ist es recht schwierig, die Halterung korrekt zu befestigen. Sitzt sie zu locker, rutscht der Sitz, ist sie zu fest, beschädigt sie womöglich den Rahmen. Die Empfehlung der Tester: Nehmen Sie das Rad mit, wenn Sie einen Kindersitz kaufen: Fachhändler können Sitze empfehlen und montieren.