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Die Lage bleibt fragil

von Redaktion

Rund 400 Punkte mehr als vor Wochenfrist, ein Plus von fast 3,5 Prozent im Deutschen Aktienindex Dax – trotz Trumps Strafzöllen auf Stahl und Aluminium und dem damit verbundenen drohenden Handelskrieg. So schlecht scheint die Lage an der Börse nicht zu sein. Händler und Anleger achten nicht nur auf die fragwürdige Politik des Weißen Hauses, sondern auch auf die – noch – gute Lage der deutschen Unternehmen. In dieser Woche haben etliche Konzerne wieder respektable Bilanzen auf den Tisch gelegt. Merck, Continental, BMW und Boss haben dazu eine erhöhte Dividende angekündigt.

Für Aktien spricht auch, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins noch lange bei Null halten wird. Mit einer Zinserhöhung ist frühestens 2019 zu rechnen. Präsident Mario Draghi hat zugleich durchblicken lassen, dass mit den milliardenschweren monatlichen Anleihekäufen zum Jahresende Schluss sein könnte. Das wiederum deutet darauf hin, dass auch er mit Blick auf die Konjunktur weiter optimistisch ist. Gleichwohl: Die Lage an der Börse bleibt fragil. „In den kommenden Monaten drohen schwankungsintensive Zeiten“, warnt Michael Bissinger von der DZ Bank. Die Ängste vor höherer Inflation, steigenden Zinsen, vor Zöllen und vor einem möglichen Handelskrieg dürften nicht weniger werden.

Das treibt auch den EZB-Präsidenten um. „Wenn man Zölle gegen seine Verbündete erhebt, dann stellt sich doch die Frage: Wer sind die Feinde?“, sagt Draghi mit sehr kritischem Blick auf die Handelspolitik des US-Präsidenten. Solche Worte vernehmen auch Börsianer und Händler mit großer Aufmerksamkeit. „Die Nervosität scheint anzudauern“, glaubt Christian Apelt von Landesbank Hessen-Thüringen. Dass Deutschland endlich wieder eine Regierung hat, spielt auf dem Parkett dagegen eher eine untergeordnete Rolle.

Eine deutliche Talfahrt an der Börse oder gar einen Crash befürchten Experten nicht. Aber die Stimmung habe sich natürlich eingetrübt, betont Robert Halver von der Baader Bank. „Die Zolldiskussion hat die Finanzmärkte momentan fest im Griff“. Der Dax werde seinen Boden im Bereich zwischen 11 800 und 12 000 Punkten finden, ist Andreas Hürkamp von der Commerzbank überzeugt. Das Ende des seit neun Jahren anhaltenden „Bullenmarktes“ mit in der Tendenz ständig steigenden Kursen sieht er im Gegensatz zu den Bären, den Pessimisten an der Börse, noch nicht gekommen. Gründe unter anderem: Die weiter großzügige Geldpolitik, die durch die Korrektur der Kurse wieder attraktivere Bewertung der Unternehmen und die hohe Dividendenrendite von im Schnitt fast 3,5 Prozent. Dass die Anleger wieder pessimistischer seien, wertet Hürkamp zudem als gutes Zeichen. Von Skepsis und Pessimismus ist beim Kollegen Bissinger von der DZ Bank allerdings wenig zu sehen. Weil die deutschen Unternehmen, wie er glaubt, auch 2018 auf Rekordkurs fahren, erwartet er den Dax zum Jahresende bei 14 000 Punkten. rolf obertreis

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