„Bierdosen-Hähnchen? Ja so ein Schmarrn!“, sagt der Bayer zu Recht und widmet sich den Würstln und Koteletts auf dem Grillrost. Doch das ganze, gewürzte Huhn, das mit dem Hinterteil über die geöffnete, mit Gerstensaft gefüllte Bierdose gestülpt auf den Grill kommt, ist nach wie vor ein Hit. Rund eineinhalb Stunden soll das legendäre „Beer Butt Chicken“ nach US-Vorbild vor sich hin brutzeln. Empfohlen wird das Ganze in Grillrezept-Foren, von Grill-Anbietern, ist der Tipp vermeintlicher TV-Kochstars oder stammt aus Empfehlungen von Discountern, die damit den Verkauf von Hühnern nebst Bierdosen steigern wollen.
Dass das „Dosen-Schmankerl“ nicht gesund sein kann, erklärt sich normalerweise von selbst. Doch weil sich das vermeintliche Grillvergnügen so hartnäckig hält, hat sich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eigens des Themas angenommen und eine entsprechende Prüfung durchgeführt: Hier das Ergebnis: Nicht empfehlenswert!
Das Institut rät klar von dieser Art der Zubereitung ab. Durch die hohen Temperaturen, Fett und Alkoholdämpfe können sich Druckfarben sowie Dosenlack lösen und zersetzen und ins Lebensmittel gelangen: „Es ist davon auszugehen, dass die Hitze beim Grillen und Braten gesundheitsschädliche Substanzen aus der bedruckten Außenseite und der beschichteten Innenseite der Bierdose löst, die in das Hähnchenfleisch übergehen.“
Einige darüber hinaus befragte Brauereien wiesen nur darauf hin, dass das keine „bestimmungsgemäße Nutzung“ von Getränkedosen sei und sie daher „keine Garantien“ oder „keine Empfehlung“ bezüglich solcher Nutzung geben könnten.
Das Fazit: Wer die gesundheitlich bedenkliche „Würze“ aus Farben und Lack lieber vermeiden möchte, sollte auf „Bierhintern-Huhn“ oder andere Varianten von „beschwipsten Hähnchen“ in dieser Form verzichten und lieber etwas Geld in einen speziellen Hähnchenbräter mit Flüssigkeitsbehälter investieren.
Hier noch ein Tipp für den ungetrübten Grillgenuss: Fleisch, Fisch oder Gemüse erst nach dem Grillen salzen. Das Grillgut verliert sonst Wasser, wird trocken und leidet geschmacklich. Wer Alu-Grillschalen oder Alufolie verwendet, sollte grundsätzlich erst später auf dem Teller würzen. Der Grund? Salz und Säure lösen Aluminium und übertragen es direkt auf das Grillgut. Eine Alternative sind Grillschalen aus Edelstahl. Sie schützen die Gesundheit und die Umwelt gleichsam.
Um das Austrocknen von Fleisch und Fisch zu verhindern, sollte das Grillgut dünn mit hitzestabilem Öl wie raffiniertem Rapsöl oder dem sogenannten high-oleic-oel bestrichen und vor dem Grillen abgetupft werden. Als Marinierzeit empfehlen sich rund 24 Stunden – je dicker das Fleisch, umso länger – wobei das Grillgut vollständig mit Marinade bedeckt sein soll. Übrig gebliebenes mariniertes Fleisch möglichst nicht einfrieren. Hierbei kann die Marinade leicht bitter werden. Besser ist es, das Fleisch durchzugaren. Anschließend kann es bis zu drei Monate tiefgekühlt lagern.
Meine Favoriten: Datteln oder Schafskäsewürfel im Speckmantel gegrillt, mit Frischkäse und frischen Kräutern gefüllte Zucchini-röllchen, Zwiebel-Pilz-Spieße mit Chili-Piment-Marinade, ganze, kleine Bio-Bananen in der Schale, vorgegarte Kartoffeln oder Süßkartoffeln mit Zaziki.