Wer sich zwölf Monate lang in einer sozialen Einrichtung engagiert hat, sieht die Welt oft mit anderen Augen. Freiwillige Helfer sind sozialversichert, erhalten ein Taschengeld und einen Pluspunkt im Lebenslauf. Jetzt ist eine gute Zeit für Bewerbungen. Neben den idealistischen Gründen für ein solches soziales Engagement gibt es auch ganz praktische Vorteile: Bei späteren Bewerbungen zum Beispiel wiegt ein Freiwilligendienst oft schwerer als gute Noten. Universitäten und Hochschulen können Freiwilligendienste als Praktikum anerkennen.
Während der Schulzeit hatte Michaela Bartmann nie die Gelegenheit, „zu sehen, wie die Welt wirklich ist“, sagt sie. Über Familie und Freundeskreis bewegte sie sich immer in der gewohnten Umgebung. „Ich wollte raus aus meiner Komfortzone“, sagt die 19-Jährige aus München. Sie entschied sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Malteser Hilfsdienst. Seit vergangenem September fährt sie Essen für Bedürftige aus. Jetzt weiß sie, wie Altersarmut aussieht. Und wie man ein bisschen helfen kann.
Angebote
Viele junge Menschen nutzen die Zeit zwischen Schulabschluss und Studium oder Ausbildung, um sich sozial zu engagieren. Ihnen steht ein Bundesfreiwilligendienst (BFD), ein Freiwilliges Soziales (FsJ) oder Ökologisches Jahr (FöJ) zur Verfügung. Infrage kommen Einsätze etwa in Pflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten, Schulen, Einrichtungen der Behindertenhilfe, Sportvereinen, Naturschutzverbänden oder Museen. Ein Dienst dauert meist zwölf Monate und ist ein Vollzeitjob. Manchmal sind auch Dienste von nur sechs Monaten möglich, in Ausnahmefällen sind es sogar 24 Monate, nämlich dann, wenn eine Ausbildung vorgesehen ist, beispielsweise zum Rettungssanitäter oder Übungsleiter in einem Sportverein.
Eckdaten
Die Rahmenbedingungen sind gleich: Teilnehmer sind sozialversichert und erhalten ein Taschengeld von maximal 390 Euro im Monat. Der Kindergeldanspruch bleibt bis zum 25. Lebensjahr bestehen. Zudem erhalten die Freiwilligen Arbeitskleidung. Für Unterkunft und Verpflegung kommen die Einsatzstellen auf oder sie bezahlen ein Ersatzgeld.
Wer einen Bundesfreiwilligendienst leistet, ist rundum sozialversichert. Der Träger begleicht sämtliche Beiträge zur Krankenkasse, zur Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Außerdem greift der gesetzliche Unfallschutz.
Freiwillige erhalten zudem einen Freiwilligenausweis, mit dem sie zum Teil Vergünstigungen erhalten können, etwa in Museen oder bei Fahrkarten.
Freiwillig heißt im Übrigen nicht, dass die Engagierten den Dienst ausüben können, wann und wie sie wollen. Im Gegenteil, es gelten feste Rahmenbedingungen. Wer eine Stelle bekommen hat, ist in ein Team eingebunden, muss sich an feste Arbeitszeiten halten, verfügt über geregelte Urlaubszeiten und nimmt an Seminaren teil. Bei einem zwölfmonatigen Dienst sind zum Beispiel 25 Tage Seminar angesetzt. Dabei sollen soziale, ökologische, kulturelle und interkulturelle Kompetenzen vermittelt werden.
Teilnehmer
Während Männer und Frauen jeden Alters einen BFD absolvieren können – auch Arbeitslose können teilnehmen –, richten sich FsJ und FöJ an junge Menschen zwischen 15 und 26 Jahren. Verbindliche Bewerbungsfristen gibt es nicht, das FsJ startet jedoch meist zum 1. September. Einsatzstellen für einen BFD finden sich zum Beispiel unter www.bundesfreiwilligendienst.de.
Weltwärts, Kulturweit, Internationaler Jugendfreiwilligendienst (IJFD) und Europäischer Freiwilligendienst (EFD) heißen die Angebote der sogenannten geregelten Freiwilligendienste im Ausland. Sie werden von deutschen Ministerien oder der Europäischen Union bezuschusst. „Für Bewerbungen muss man bis zu zwölf Monate Vorlauf einplanen“, sagt Frank Seidel, Gründer des Portals www.wegweiser-freiwilligenarbeit.com, das Einsätze im Ausland vermittelt. Alternativ und auch noch kurzfristig können Interessenten flexible Freiwilligenarbeit absolvieren. Hier kommen auch Angebote ausländischer Träger infrage. Geregelte Dienste dauern meist neun bis zwölf Monate, flexible Arbeit manchmal nur wenige Wochen.
Kosten im Ausland
„Viele wissen nicht, dass Engagement im Ausland Geld kostet“, sagt Seidel. Bei den geregelten Diensten kommen die Projektträger zwar für Reisekosten, Auslandskrankenversicherung und Unterkunft auf, 25 Prozent der Kosten müssen Teilnehmer jedoch selbst bezahlen. Bei den flexiblen Projekten wird es teurer, da keine Zuschüsse fließen. Teilnehmer müssen etwa Reisekosten und Auslandskrankenschutz selbst bezahlen. Insgesamt ist mit Kosten ab 400 Euro aufwärts im Monat zu rechnen, so Seidel. Dienste in Waisenhäusern und Aufenthalte, bei denen „Kuscheln mit Löwenbabys“ versprochen wird, vermittelt sein Portal nicht. „Dahinter stehen meist unseriöse Angebote.“
Mehr Informationen
Das sechsseitige Dossier zum Thema gibt es unter der Fax-Abrufnummer 09001/ 25 26 65 52 (1 Minute = 0,62 Euro) bis 8. Juni. Das Fax-Gerät auf „Polling“ oder „Sendeabruf“ stellen, Fax-Service-Nummer wählen und Starttaste drücken. Kein Fax? Senden Sie einen mit 0,85 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort „Freiwilligendienste“ an: Versandservice, Lerchenstr. 8, 86938 Schondorf