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Warum Äpfel riesig und makellos sind

von Redaktion

Der Apfel ist das Lieblingsobst der Deutschen. Derzeit tummelt sich noch etwas heimische Lagerware auf dem Markt. Der Kilopreis ist relativ hoch, weil die Ernte 2017 miserabel ausgefallen ist, so schlecht wie 1991 zum letzten Mal. Im Februar fehlten rund 1,1 Millionen Tonnen in den Lagern der Obsthändler. Denn Wetterprobleme hatten nicht nur die deutschen Bauern. Auch die Nachfrage steigt. Die Asiaten sind erst vor wenigen Jahren auf den Apfelgeschmack gekommen.

Auffällig häufig werden derzeit Riesenexemplare von Äpfeln im Handel angeboten. Die sind nicht überzüchtet oder mit besonders viel Chemie bearbeitet, wie viele Leute annehmen. Die Größe der Frucht hängt vielmehr mit Folgendem zusammen: Gibt es witterungsbedingt wenig intakte Apfelblüten, spendet der Apfelbaum seine Kraft den Früchten, die es trotz aller Widrigkeiten geschafft haben. Sie saugen die komplette Energie auf und wachsen zu einer stattlichen Größe heran. Geschmacklich muss das kein Nachteil sein. Das Aroma hängt eher von der Sorte ab oder wird möglicherweise auch von einer speziellen Lagertechnik beeinflusst.

Viele Apfelsorten lassen sich unter bestimmten Bedingungen monatelang lagern. Im heimischen Anbau ist es der Keller, für die Vermarktung im größeren Stil kommen die Äpfel in ein sogenanntes CA-Lager – CA steht für Controlled Atmosphere. Hier wird der Sauerstoffgehalt niedrig gehalten, der Kohlendioxidgehalt dagegen erhöht. In eine Art Winterschlaf fallen die Früchte bei Temperaturen von ein bis vier Grad Celsius und hoher Luftfeuchte. Der Apfel bleibt lange ansehnlich, aromatisch und verliert kaum an wertgebenden Inhaltsstoffen. Lediglich Vitamin C wird peu à peu abgebaut.

Eine neuere Form der Konservierung ist die Begasung mit 1-Methyl-Cyclopropen (1-MCP). Werden die Früchte damit behandelt, produzieren sie kaum noch ihr natürliches Reifegas Ethylen. Schale und Festigkeit bleiben wie nach dem Pflücken. Das Bundesinstiut für Risikobewertung hält das 1-MCP für unbedenklich. Die Äpfel müssen nicht extra gekennzeichnet werden. Allerdings ist nach wie vor unklar, ob sich nicht doch das Apfelaroma und der Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen verändert. Auch bei Schnitt- und Topfblumen wird 1-MCP gerne verwendet, um den Reife- bzw. Welkungsprozess zu verlangsamen. Allerdings bleibt die Wirkung nur unter kontrollierter Atmosphäre erhalten. Kommt es zu einer Temperaturerhöhung, setzt sich der Alterungsprozess fort.

Wir Kunden können das Alter des Apfels nicht erkennen. Aus heimischem Anbau könnte er derzeit acht Monate alt sein, Importware zwei Wochen oder ein Jahr? Die Erntezeit für Äpfel in Deutschland beginnt Anfang August und endet Anfang September für frühe Sorten. Danach kommen die Lageräpfel an die Reihe. Alte Sorten, etwa Boskop, Cox Orange oder Braeburn sind in der Regel robuster. Sie sind interessanterweise auch nur bedingt oder gar ungeeignet für die 1-MCP-Begasung.

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