test I

Jeder 2. Kinderstuhl fällt durch

von Redaktion

Viele Kinderhochstühle fallen im Test durch. So erhielten 11 von 20 Modellen in einer Stichprobe der Stiftung Warentest die Note „mangelhaft“. Nur drei waren „gut“, 5 „befriedigend“, einer erhielt ein „Ausreichend“, heißt es in der Zeitschrift „test“ (Ausgabe 6/2018).

Schon ein früherer Test von 2007 fiel ähnlich negativ aus – oft wurden die Hersteller wegen der gleichen Mängel kritisiert wie im aktuellen Test. „Ein sehr enttäuschendes Ergebnis“, sagte Werner Hinzpeter, Vize-Chefredakteur der „test“, bei der Vorstellung der Ergebnisse. Schließlich war es schon der dritte Test in 15 Jahren, bei die meisten Hersteller nicht gut weggekommen sind. Beim Test von 2003 fielen 7 von 15 Modellen durch. Besonders ernüchternd in den Augen von Hinzpeter: Vier der Anbieter, die damals ein „Mangelhaft“ bekamen, kassierten es auch im aktuellen Test wieder: Geuther, Hauck, herlag und Pinolino. „Geutner bekommt es sogar wegen desselben Mangels: Kinder können aus dem Hochstuhl zu leicht herausrutschen, genau wie vor 15 Jahren“, sagte er.

Die meisten „guten“ sind teuer

Für die guten Produkte müssen Eltern tief in die Tasche greifen – mit einer Ausnahme. Der „Nomi“-Stuhl von Evomove sowie der Treppenstuhl „Tripp Trapp“ von Stokke sind für jeweils 350 Euro zu haben. Wer die Stühle ab Geburt nutzen will, zahlt für die Babyschale sogar noch einmal rund 100 Euro mehr. Einzige günstige Alternative ist der „Timba“-Stuhl von Safety 1st für 85 Euro.

Problem 1: Sicherheitsmängel

Einige Stühle erhielten schlechte Noten wegen Sicherheitsmängeln: Bei einem Modell können Kinder den Testern zufolge die Beine durch eine Öffnung stecken und durchrutschen. Bleibt der Kopf dabei im Stuhl hängen, könne das lebensgefährlich werden. Aus einem anderen Modell könnten Kinder leicht herausklettern. Nicht alle Modelle haben einen Sitzgurt, andere nur solche mit Klettverschluss, die Geschwisterkinder leicht lösen können. Auch ist die Standfestigkeit nicht bei allen Stühlen gut genug.

Problem 2: Schadstoffe

Ebenfalls kritisch sahen die Warentester die enthaltenen Schadstoffe in einigen Polstern oder Tischen der Hochstühle. Unter anderem fanden sie Formaldehyd, das Haut und Schleimhäute reizen kann. Ebenso wurde Napthalin gefunden, das vermutlich Krebs auslösen kann. In einem weiteren Sitzpolster wurden hohe Mengen TDCPP festgestellt – ein Flammschutzmittel, das vermutlich ebenfalls Krebs erzeugen kann.

„Kinder, die in einem Hochstuhl sitzen, stecken alles in den Mund, lutschen an Polstern oder verteilen Essen auf dem Tischchen. Wir ziehen daher für Teile, mit denen Kinder direkt in Kontakt kommen, die gleichen strengen Grenzwerte heran wie für Kinderspielzeug“, erklärte Axel Neisser, wissenschaftlicher Leiter für die Themen Haus und Freizeit bei der Stiftung Warentest.

Was Eltern jetzt tun können

Eltern sollten die Sitzpolster der entsprechend belasteten Modelle deshalb am besten entfernen. Ansonsten können sie sich an den Händler wenden: Innerhalb der Gewährleistungsfrist (zwei Jahre ab Lieferung) können Verbraucher ihn auffordern, den Mangel zu beheben und etwa den Stuhl aus- oder umzutauschen. „Aus Rückmeldungen wissen wir, dass Händler da auch kulant sind“, sagte Axel Neisser. Kann der Hersteller den Mangel nicht beheben, dürfen Kunden das Geld zurückverlangen.

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