Es ist wieder einmal vor allem der US-Präsident, es sind aber auch die Italiener, die in diesen Tagen die Börse bewegen. Absage des geplanten Treffens mit dem nordkoreanischen Machthaber, angeblich Annäherung im Handelsstreit mit China, die Androhung von Zöllen gegen deutsche Auto-Hersteller: Donald Trump hat den Deutschen Aktienindex Dax in der abgelaufenen Woche wieder deutlich unter die Marke von 13 000 Punkten geschickt. Dazu hat auch die neue populistische Regierung in Italien ihren Beitrag geleistet, die wenig von Stabilitätspolitik hält und weitere Milliardenschulden auftürmen will. Damit könnte sie die Eurozone in die Bredouille bringen.
Das alles gefällt den Börsianer nicht, auch wenn sie zum Wochenschluss Entspannung signalisierten und den Dax wieder leicht nach oben geschoben haben. Die Stimmung an der Börse bleibt gemischt. Positiv zu Buche schlagen weiter die generell gute Lage der Unternehmen, die stabilen Konjunkturaussichten und die anhaltend niedrigen Zinsen. Eine striktere Geldpolitik durch EZB ist weiter nicht in Sicht. Auch der abgeschwächte Euro hilft der deutschen Exportwirtschaft, zudem ist der Ölpreis nicht weiter gestiegen, hat sich sogar leicht abgeschwächt.
„Grundsätzlich sieht alles noch ganz positiv aus“, sagt Sonja Laud, Chef-Aktienstrategin beim Vermögensverwalter Fidelity in Deutschland. Allerdings dämpft sie die Aussichten. Für den Gesamtmarkt erwartet sie in diesem Jahr „nicht mehr wahnsinnig viel“, je nachdem wie sich das Wachstum entwickle. „Selbst wenn wir noch ein solides Wachstum erreichen, wissen wir doch, dass wir am Ende des Zyklus angekommen sind.“ Fragezeichen stellt auch Claudia Windt, Volkswirtin bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). „Wie weit tragen die politischen Unsicherheiten? Gilt vielmehr die alte Börsenweisheit, dass politische Börsen kurze Beine haben?“ Bei der Helaba bleiben die Experten skeptisch. Sie sehen den Dax im Herbst bei nur 11 500 Zählern, bevor er sich bis Jahresende wieder auf 12 300 hocharbeiten soll.
Robert Halver von der Baader Bank setzt dagegen auf die Entwicklung an der Börse in den USA. Dort verstärkten die Finanzprofis wieder ihre Aktiengeschäfte. „Kommt es zu einer Erholungsrallye in den USA wären viele heimische Anleger falsch positioniert, müssten den dann auch steigenden deutschen Kursen hinterherlaufen und würden durch späte Käufe die Rallye weiter anheizen“, gibt er sich zuversichtlich. Positiv gestimmt sind auch die Strategen bei der DZ Bank, auch wenn es in den Sommermonaten, so ihre Analyse, angesichts der dann nachrichtarmen Zeit langsamer laufen und die Kurse sich nur seitwärts bewegen dürften. Zum Jahresende aber erwartet Aktienstratege Christian Kahler angesichts der „vielversprechenden Fundamentaldaten“ und der guten Lage der Firmen wieder 13 300 Zähler.
rolf obertreis