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EZB-Entscheidung treibt den Dax an

von Redaktion

Wenn eine Notenbank das Ende der lockeren Geldpolitik ankündigt und tendenziell höhere Zinsen signalisiert, ist das in der Regel ein Warnsignal für den Aktienmarkt. Aber solche Regeln zählen heute nur noch bedingt. Am Donnerstag hat die Europäische Zentralbank (EZB) das Ende ihres üppigen Anleihekaufprogramms verkündet. Die Börsianer haben trotzdem den Deutschen Aktienindex Dax deutlich nach oben geschoben. Aus zwei Gründen: Zum einen waren die Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi unerwartet klar, zum anderen bleiben die Zinsen noch lange im Keller. Frühestens im zweiten Halbjahr 2019 wird die EZB an der Zinsschraube drehen. Die Tauben in der Notenbank, glaubt Robert Halver, Marktstratege der Baader Bank, haben die Segel noch längst nicht gestrichen. Tauben stehen für eine großzügige Geldpolitik – im Gegensatz zu den Falken.

Damit ist klar: Sparanlagen und Anleihen werden weiter kaum Zinsen bringen. Angesichts der auf über zwei Prozent gestiegenen Inflationsrate sorgen sie real sogar für Verluste. Der Vorteil liegt weiter bei Aktien. Insofern war es nicht verwunderlich, dass der Dax am Donnerstag nach der EZB-Sitzung erstmals seit Ende Mai wieder die Marke von 13 000 Punkten übersprungen hat.

Aber das Marktumfeld auch für Aktien bleibt schwierig. Da ist aktuell vor allem der von US-Präsident Trump angezettelte Handelsstreit. Am Freitag kündigten die USA Zölle für Produkte aus China an. Nach Stahl wird es vermutlich auch Autos aus Europa treffen. Wenig Gefallen finden die Börsianer auch an der Krise in der Bundesregierung. Würde die Koalition wegen des Asylstreits platzen, würde das auch Europa schwächen. Was wiederum wäre schlecht für eine gemeinsame Position Europas im Handelskonflikt mit den USA. Die „Steherqualitäten“ des Aktienmarktes sollten aber nicht unterschätzt werden, sagt Halver. „Ob Brexit, Handelsprotektionismus oder Angst vor einer euro-kritischen Regierung in Italien – der Markt steckt alles weg.“ Nicht beirren lässt sich auch DZ-Banker Michael Bissinger. Weltweit existierten zwar viele Krisenherde, aber „trotzdem entwickelt sich die Wirtschaft stabil.“ Das sei eine gute Basis für steigende Unternehmensgewinne und höhere Dividenden. Ende des Jahres sieht Bissinger den Dax bei 13 700 Punkten.

Von „trügerischer Sicherheit“ spricht dagegen Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen. „An den Aktienmärkten wird derzeit ein Heile-Welt-Szenario eingepreist.“ Er warnt vor deutlichen Enttäuschungen. Anleger sollten sich zurückhalten. Grund: Der Dax werde bis zum Herbst auf 11 500 Zähler fallen. rolf obertreis

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