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Flaute im Sommer, Rallye zum Jahresende

von Redaktion

In Deutschland herrscht Skepsis, die Aktienkurse bewegen sich vor allem wegen des Handelsstreits zwischen Europa und China einerseits und den USA andererseits kaum. Zwischen 12 500 und 12 550 Zählern schwankte der Aktienindex Dax zuletzt. „Die Aussicht auf eine erneute Eskalation belastet die Aktienmärkte weltweit“, sagt Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der DekaBank. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Welthandels sei groß.

Gleichwohl: Das gilt nicht überall. An der US-Technologiebörse Nasdaq ist den Anlegern der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Konflikt offenbar ziemlich egal. Dort wurde in der abgelaufenen Woche ein neues Rekordhoch verbucht. Seit April ging es um zehn Prozent nach oben, auf Jahressicht um 25 Prozent. Netflix legte um satte 150 Prozent zu, Amazon und andere Papiere um 60 Prozent und mehr.

Hierzulande regiert dagegen Vorsicht, Optimisten lassen sich gleichwohl nicht beirren. Angesichts des Handelskonflikts und abgeschwächter Konjunkturaussichten sinken aber die Gewinnerwartungen für die Unternehmen. Hatten die Auguren für 2018 bislang mit Rekord-Dividenden gerechnet, rudern jetzt einige zurück. „Die derzeitigen Dividendenerwartungen sind zu optimistisch“, sagt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Während die Dividendensumme der 30 Dax-Konzerne 2017 um 16 Prozent auf 36,7 Milliarden Euro gestiegen ist, rechnet er für dieses Jahr allenfalls mit 37 bis 38 Milliarden. Zurückhaltung zeigt auch Christian Kahler von der DZ Bank. „Die Feierlaune aus dem Jahr 2017 ist verflogen, insbesondere in Europa.“ Trotzdem bleibt er auf mittlere Sicht zuversichtlich, die Gewinne der exportstarken deutschen Unternehmen würden auch 2018 deutlich steigen. Ende des Jahres sieht die DZ Bank den Dax bei 13 700, Mitte 2019 bei 14 200 Punkten.

Überhaupt rechnen erstaunlich viele Analysten, so die jüngste Umfrage des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), nach einer Flaute in den Sommermonaten mit einer Kursrallye bis Jahresende. Grund: anhaltend niedrige Zinsen, ein kaum noch steigender Ölpreis und ein abgeschwächter Euro. Im Schnitt erwarten sie den Dax zum Jahresende bei knapp 13 500 Punkten. Allerdings ist die Spanne groß: Die Landesbank Hessen-Thüringen rechnet nur mit 12 300, die Deutsche Bank dagegen mit 14 000 und Unicredit sogar mit 14 500 Punkten.

Die meisten deutschen Sparer werden davon nichts mitbekommen. Ihr Geld schlummert auf kaum oder nicht verzinsten Sparkonten. Real nach Abzug der Inflation lag der Zins nach Berechnungen der Comdirect im ersten Halbjahr bei minus 1,77 Prozent. Dadurch hätten sie 17 Milliarden Euro verloren. Pro Bundesbürger vom Säugling bis zum Rentner waren das im Schnitt 205 Euro.

rolf obertreis

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