Test

Nicht alle Notrufmelder überzeugen

von Redaktion

Der Anruf erreicht den Sohn im Büro. Seine Mutter könne sich heute nicht allein verpflegen, weil sie nicht aus dem Sessel hochkomme, sagt die Anruferin vom Hausnotruf. „Ich fahre sofort hin!“, antwortet der Sohn und hilft seiner pflegebedürftigen Mutter in der Mittagspause. Die schnelle Information erleichtert in diesem Fall die Bewältigung des Alltags der Rentnerin.

Der dahinter stehende Hausnotrufdienst kann aber womöglich auch einmal Leben retten, etwa durch den Ruf eines Notarztes nach einem Sturz des Kunden im Bad. Hausnotrufdienste sind für Pflegebedürftige oder alleine lebende Ältere eine wichtige Hilfe. Die Stiftung Warentest hat allerdings nicht einen Anbieter uneingeschränkt gut bewertet.

Auf Knopfdruck wird der Kunde mit einer Notrufzentrale verbunden. Die Mitarbeiter dort können beispielsweise Angehörige informieren oder auch einen Rettungswagen anfordern. Den Melder tragen die Kunden am Körper, zum Beispiel als Armband. Im Idealfall ermöglicht eine Freisprecheinrichtung die Kommunikation aus jedem Raum. Hierzu ist in der Regel ein Telefonanschluss notwendig. Moderne Systeme können über den Mobilfunk auch außerhalb der Wohnung alarmieren. Nach Angaben der Stiftung Warentest sind bundesweit mittlerweile 900 000 Menschen an ein solches System angeschlossen.

Die Kosten richten sich nach dem Leistungsspektrum. Denn über den reinen Notruf hinaus bieten die Dienste zusätzliche Leistungen an, vom Erinnerungsruf zur Medikamenteneinnahme bis hin zur Schlüsselaufbewahrung. Der Grunddienst kostet beim Testsieger Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) 23 Euro im Monat. Dies entspricht den monatlichen Mietgebühren, die in der Höhe seit Juni 2018 von der Pflegekasse übernommen werden. Zu den monatlichen Gebühren kommen bei manchen Anbietern einmalige Anschlusskosten von 20 bis 60 Euro.

In der „test“-Ausgabe vom August 2018 wurden neun Anbieter, davon fünf gemeinnützige Verbände und vier private Unternehmen, auf die Probe gestellt. Der ASB wurde wie sechs weitere Anbieter mit „befriedigend“ bewertet und ist mit knappem Vorsprung Testsieger. Das private Unternehmen Zembro wird als Schlusslicht sogar als „mangelhaft“ eingestuft. „Kein Dienst ist uneingeschränkt zu empfehlen“, schreibt die Stiftung. Die wichtigste Aufgabe erfüllten dabei jedoch alle. Die simulierten Notrufe wurden bearbeitet, am besten vom ASB. Aber auch das Deutsche Rote Kreuz, der Malteser Hilfsdienst sowie die Johanniter schnitten hier gut ab. Meist hätten die Callcenter den Ruf innerhalb weniger Sekunden angenommen, heißt es im Testbericht. Beim privaten Anbieter Zembro habe sich die Zentrale ein Mal erst nach zwei Minuten gemeldet und einmal sogar gar nicht. Wie bereits in einem vorherigen Test im Jahr 2011 bemängeln die Prüfer auch dieses mal ein zu geringes Einfühlungsvermögen der Notrufmitarbeiter. „Viele Anbieter gehen zu wenig auf die Bedürfnisse der meist älteren Kunden ein“, kritisiert die Stiftung. Sie sprechen beispielsweise nicht laut genug oder verschwinden schon mal aus der Leitung.

Die starke Abwertung des Qualitätsurteils hat vorwiegend mit den Geschäftsbedingungen der Anbieter zu tun. Denn in den Verträgen fanden die Tester deutliche Mängel und rechtswidrige Klauseln, etwa zum Haftungsausschluss. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz rät Interessenten zu einer genauen Prüfung der angebotenen Verträge. So könnten in den Klauseln noch versteckte Kosten enthalten sein. Auch der Vergleich verschiedener Angebote wird angeraten. Wolfgang Mulke

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