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Märkte hängen an den Fäden der Handelspolitik

von Redaktion

Vor allem eine Zahl hat die Börsianer in den vergangenen Tagen elektrisiert: eine Billion Dollar. Zum ersten Mal hat mit Apple ein Unternehmen, dessen Aktien an der Börse gehandelt werden, diese Schwelle für seinen Wert überschritten. Vor zehn Jahren war die iPhone-Firma noch mit nur 100 Millionen Dollar eingestuft worden. Zum Vergleich: Alle 30 im deutschen Aktienindex Dax gelisteten Konzerne kommen auf nicht einmal 1,3 Billionen Euro (rund 1,5 Billionen Dollar), wobei SAP mit 122 Milliarden Euro an der Spitze liegt.

Solche unglaublichen Geschichten, die bei Apple noch weiter gehen können – das Unternehmen und damit die Aktien gelten trotz der Billion nicht als überbewertet –, lenken ein wenig ab von der weiter schwierigen Phase an der Börse. Nachdem es in der letzten Juli-Woche in Sachen Handelsstreit zwischen USA und Europa nach dem Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker nach Entspannung ausgesehen hat, heizt Trump den Konflikt mit China weiter an. Erste Auswirkungen bei den Unternehmen werden sichtbar, etwa auch für deutsche Autohersteller, die in den USA produzieren und nach China exportieren. Der Dax verlor im Verlauf der ersten Augustwoche knapp zwei Prozent auf rund 12 600 Punkte. Für die Aktienmärkte in Asien lief es so schlecht wie seit März nicht mehr.

Andererseits seien die Quartalsbilanzen in den USA, wie Michael Bissinger von der DZ Bank feststellt, „großartig“ und lägen über den ohnehin hohen Markterwartungen. Auch die Signale durch die bisher in Europa vorgelegten Quartalsberichte seien gut. Größere Sorgen vor einem stärkeren Einbruch seien von den Unternehmen nicht zu hören, sagt Bissinger. Und hält an der Dax-Prognose von 14 200 Punkten für Mitte 2019 fest. „Allerdings bleibt das ‚Trump’sche Zeitalter’ ein Gefahrenfaktor für die Aktienmärkte.“

Jan Nießen von der Weberbank ist überzeugt, dass das Thema Handelskonflikt die Börse noch einige Zeit beschäftigen wird. „Die Börsen hängen kurzfristig auch weiterhin an den Fäden der Handelspolitik“, glaubt auch DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Die Skepsis ist bei manchen Marktteilnehmern beträchtlich. Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen sieht den Dax in den nächsten Wochen auf dem Weg runter zu 11 500 Zählern, bevor es nur langsam wieder nach oben geht.

Freilich: Von der Zinsseite her stehen die Signale für Aktien weiter auf Grün. Die EZB wird vor Mitte 2019 kaum an der Zinsschraube drehen. Sparanlagen und Anleihen bleiben damit unattraktiv, angesichts langsam steigender Inflation rutscht ihre Rendite real sogar noch tiefer ins Minus. Anleger verlieren damit also Geld. „Die Geldpolitik bleibt, was sie seit 2008 ist: ein treuer Begleiter der Finanzmärkte“, sagt Robert Halver von der Baader Bank. Über den Sommer sei mit einem Seitwärtstrend zu rechnen, im Herbst erwartet er Entspannung im Handelsstreit. Und damit neuen Rückenwind für die Börse. rolf obertreis

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