Schwere Unfälle sind glücklicherweise selten. Wenn sie passieren, können sie ein Leben aber von Grund auf verändern. Darauf weist die Zeitschrift „Finanztest“ hin. Ist die Gesundheit dauerhaft beeinträchtigt, zum Beispiel weil ein Finger steif bleibt oder ein Teil des Augenlichts verloren geht, federt eine private Unfallversicherung zumindest die finanziellen Folgen ab. Was viele nicht wissen: Sie zahlt nicht, wenn das Unfallopfer wieder gesund wird. Um den Verdienstausfall durch Krankheiten und Unfälle abzusichern, ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung die erste Wahl, heißt es bei „Finanztest“. Eine solche Police ist allerdings viel teurer; in manchen Fällen findet sich gar kein Versicherer, der eine bezahlbare Police anbietet.
Mehrere sehr gute Tarife
Für ihre Oktober-Ausgabe hat die Zeitschrift „Finanztest“ 117 private Unfallversicherungstarife getestet, die einige Mindestleistungen bieten mussten, um überhaupt in den Test zu kommen. Das Ergebnis: Verbraucher finden sowohl Top-Versicherungsleistungen zu einem hohen Preis als auch soliden Schutz zu weitaus günstigeren Jahresbeiträgen. Elf schnitten mit der Bestnote „Sehr gut“ ab, 69 erhielten die Wertung „Gut“. Die restlichen 37 bekamen die Note „Befriedigend“. Es gibt aber außerhalb des Tests noch schlechtere Angebote.
Testsieger ist der Tarif P500 UnfallschutzPlus mit Topschutz der Allianz. Erwachsene müssen dafür tief in die Tasche greifen und mindestens 354 Euro pro Jahr zahlen. Er bietet aber umfassenden Versicherungsschutz und die beste Kapitalleistung. Der günstigste sehr gute Tarif ist der P350 Primus Plus der SLP für 177 Euro jährlich, der ebenfalls die Note „Sehr gut“ erhielt. Dieser Preis gilt in der niedrigen Gefahrengruppe, in der hohen sind 313 Euro fällig. Guten Schutz gibt es schon deutlich günstiger. Der Tarif P500 Silber der Basler kostet lediglich 69 Euro im Jahr, also ein Fünftel des Beitrags für den Testsieger.
Wechsel lohnt sich häufig
Private Unfallversicherungen gehören zu den kompliziertesten Versicherungskonstrukten überhaupt. Wer ein Angebot einholt, bekommt meist dicke Broschüren mit 50 und mehr Seiten überreicht, in denen Tarife und Vertragsbedingungen erklärt werden. Die Finanztester haben sich in ihrer Untersuchung an den Musterbedingungen für Unfallversicherungen orientiert, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erstellt hat. Positiv haben sie es bewertet, wenn die Leistungen des Versicherers darüber hinausgehen.
Fazit von „Finanztest“: Die Angebote haben sich in den letzten Jahren verbessert. Kunden, die schon seit gefühlten Ewigkeiten unfallversichert sind, aber nicht genau wissen, was ihre Police alles abdeckt, sollten ihre Vertragsunterlagen dringend prüfen. Ein Wechsel kann Geld sparen oder im Schadensfall zu höheren Auszahlungen führen – im besten Fall beides.
Nur hohe Summen helfen im Notfall
Ein wichtiger Punkt: Die Versicherungssummen müssen hoch genug sein. Kunden sollten bei Vollinvalidität mindestens 500 000 Euro und bei einer Invalidität von 50 Prozent mindestens 100 000 Euro bekommen. Allein dieses Kriterium erfüllen schon etliche der 25,4 Millionen Policen in Deutschland nicht. Private Unfallversicherungen gehören zu den häufigsten Versicherungen in Deutschland. Oft schließen Kunden sie mit ab, zum Beispiel wenn sie Mitglied in einem Verkehrsklub werden oder eine Kreditkarte auswählen, die so eine Police als Zusatzleistung enthält. Die Versicherungssummen liegen dann oft nur bei 30 000 oder 50 000 Euro, wenn der Versicherte voll invalide wird. Im Ernstfall wäre das nur ein Tropfen auf den heißen Stein.