börsen im überblick

So schlecht war der Monat gar nicht

von Redaktion

Erfreulich war der sprichwörtlich schwierigste Börsenmonat eines Jahres nicht. Andererseits auch nicht dramatisch schlecht. Gut 250 Punkte hat der Deutsche Aktienindex Dax im September verloren – etwas mehr als zwei Prozent. Zwischenzeitlich sah es düsterer aus, als er unter die Marke von 12 000 gerutscht war. Am letzten Handelstag des Monats sind die Kurse offenbar vor allem wegen der finanziell heiklen Lage in Italien wieder deutlicher gefallen. Aber mit rund 12 250 Zählern ist der Dax weit von der Tausender-Schwelle entfernt.

Welchen Einfluss die seit 24. September wirksame Änderung im Index durch den Abgang der Commerzbank und den Zugang von Wirecard im Detail hat, lässt sich schwer beziffern. Fakt ist: Der Münchner Zahlungsdienstleister hat sich in der ersten Woche im Börsen-Oberhaus gut geschlagen. Während der Dax rund 1,7 Prozent verlor, ging es bei Wirecard um fünf Prozent aufwärts. Die in den M-Dax, die zweite Börsenliga abgerutschte Commerzbank, hat sogar sieben Prozent eingebüßt. Wirecard sorgt also für Belebung im Dax.

Experten sind sich uneinig, wo die Reise an der Börse im letzten Quartal hingeht. Andreas Hürkamp von der Commerzbank rechnet mit Druck auf die Kurse. Grund: Die Gewinnerwartungen der Unternehmen wurden unter anderem wegen des Handelsstreits und der Probleme in Italien reduziert. Das dämpft auch die Dividendenerwartungen. Obwohl mit 37,7 Milliarden Euro für die 30 Dax-Firmen immer noch mir einer Milliarde mehr gerechnet wird als für 2017.

Für Belastungen könnte der steigende Ölpreis sorgen. Robert Halver von der Baader Bank sieht sogar schon eine neue Angst vor einer Ölkrise, weil ein Preis von mehr als 100 Dollar für das Fass Rohöl nicht ausgeschlossen ist. Aktuell sind es gut 81 Dollar. Die Unternehmen würden unter der anziehenden Zahl der weltweiten Krisenherde leiden, fürchtet auch Michael Bissinger von der DZ Bank. Die Stimmung an der Börse werde deshalb bis Jahresende gedrückt bleiben.

Gleichzeitig sieht Halver aber auch eine „stoische Gelassenheit deutscher Unternehmen, die beruhigend auf die Aktienmärkte wirkt“. Trotz Handelskonflikt und Brexit zeige sich dies in stabilen Geschäftserwartungen. Und Bissinger bleibt mittelfristig auch wegen der niedrigen Zinsen für den Aktienmarkt positiv gestimmt. Selbst Skeptiker werden wieder zuversichtlicher. 13 000 Punkte haben die meisten Experten im Blick, die einen für das Jahresende, die anderen für die erste Jahreshälfte 2019. rolf obertreis

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