Unsicherheiten, wo man hinschaut: Italien, der drohende Brexit, Handelsstreitereien und Gewinnwarnungen zuhauf. Am Dienstag warnte der Gesundheitskonzern Fresenius, am Donnerstag der Baustoffkonzern HeidelbergCement, am Freitag reiht sich Daimler ein. Andere, wie Lufthansa, leiden unter dem hohen Ölpreis oder generell schlechten Prognosen, etwa für den Reifenmarkt. Die Aktie von Continental stürzt auf ein Fünf-Jahres-Tief. Und selbst bei Unternehmen, die deutlich zulegen, können, sind Anleger skeptisch.
SAP hob die Prognose am Donnerstag zum dritten Mal in diesem Jahr an. Aber eine Gewinnmarge von fast 29 Prozent war Analysten und Anlegern zu wenig. Der Kurs der Aktie rutschte ab. Wenigstens gibt es in diesen schwierigen Börsentagen noch Ausreißer wie den Autovermieter Sixt, bei Umsatz und Gewinn stärker zulegten als erwartet – was die Aktie um 13 Prozent nach oben trieb.
Aber die Skepsis überwiegt derzeit deutlich, nachdem es Mitte der Woche noch so aussah, also könne der Deutsche Aktienindex Dax eine Erholungsrally nach den herben Tiefschlägen der vergangenen Woche starten. Nachdem der Dax von weniger als 11 500 wieder auf fast 11 800 Zähler geklettert war, stand der Leitindex zum Wochenschluss bei nur noch rund 11 500 Punkten.
„Warum läuft der Dax 2018 so schlecht?“, fragt Christian Kahler von der DZ Bank fast schon ein wenig verzweifelt. Das deutsche Börsenbarometer hat elf Prozent eingebüßt, der S&P 500 in den USA hat dagegen um fünf Prozent zugelegt. Ähnlich groß war die Differenz zuletzt 2002 und 2011. Kahler gibt die Antwort selbst: „Hierzulande hat eine Vielzahl von Unternehmen für Enttäuschungen gesorgt.“ Viele Prognosen erwiesen sich als zu optimistisch.
Bei der anstehenden Berichtssaison könnte sich dies bestätigen. Bislang stagnieren die Gewinne. Möglicherweise kommt es noch schlechter, schließlich gelten die Zölle zwischen USA und China erst seit wenigen Monaten. „Für die Aktienmärkte 2019 bleiben wir aber positiv gestimmt“, sagt Kahler. Für das Jahresende wagt die DZ Bank aber keine Prognose mehr, im März nächsten Jahres soll der Dax aber wieder bei 12 900 Punkten stehen.
ROLF OBERTREIS