Einem frustrierenden Oktober mit Kursverlusten von im Schnitt rund 6,5 Prozent folgen die beiden ersten Handelstage im November mit einem Plus von zeitweise rund fünf Prozent. Am Freitag kletterte der Deutsche Aktienindex Dax zeitweise auf fast 11 670 Punkte, bevor er wieder unter 11 600 Punkte rutschte. Befeuert wurde der Index offensichtlich vor allem durch die angebliche Annäherung zwischen den USA und China im Handelskonflikt. Er könnte in naher Zukunft beigelegt werden. Ob am Getwittere des US-Präsidenten etwas dran ist, bleibt freilich unklar.
Ebenso unsicher ist, ob sich Signale aus Italien bewahrheiten werden, dass die Regierung nach der Europawahl im Mai nächstens Jahres doch wieder stärker spart.
Ist das nur ein Strohfeuer oder der Start einer nachhaltigen Erholung, fragen sich Börsianer und Volkswirte. So recht trauen sie dem Frieden nicht. Von „vermeintlichen“ Fortschritten spricht Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen. „Tagesmeldungen können sich rasch ins Gegenteil verkehren, was in diesem Jahr eine beliebte Übung war.“ So haben sich in der angelaufenen Woche Meldungen über Fortschritte bei den Brexit-Verhandlungen als, so die EU, „irreführend“ erwiesen. Auch Jens Herdack von der Weberbank gibt sich zurückhaltend. Im Moment sei es sicherlich angeraten, defensiv zu agieren und etwas Geld in der Kasse zu halten.
Gleichwohl schöpfen etliche Experten nach der ernüchternden Entwicklung im Oktober wieder Hoffnung. Andreas Hürkamp von der Commerzbank erwartet eine nachhaltige Erholung, wenn sich im Handelskonflikt, beim Brexit und in Italien Lösungen abzeichnen. Die Notenbanken stehen steigende Aktienkurse jedenfalls nicht im Weg, glaubt Hürkamp. „Die Geldpolitik sowohl im Euroraum als auch in den USA ist noch zu expansiv für einen Dax-Bärenmarkt“. Der Bär steht an der Börse für fallende, der Bulle für steigende Kurse. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank schreibt die Erholung auch den „weiterhin guten Unternehmensberichten“ für das dritte Quartal zu.
Fast uneingeschränkt positiv gestimmt ist Henning Gebhardt vom Bankhaus Berenberg. Die Herbststürme an der Börse seien zwar heftig, sagt der Leiter der Vermögensverwaltung. Befürchtungen vor einem Konjunktureinbruch seien übertrieben.
ROLF OBERTREIS