LESER FRAGEN – EXPERTEN ANTWORTEN

Soll ich Aktien einem Fonds vorziehen?

von Redaktion

Thomas B.: „In meinem Depot liegen seit über zehn Jahren 38 Anteile des DWS Vermögensbildungs- fonds I. Allerdings verstehe ich nicht, warum die Ausschüttungen seit Jahren (2017 nur 0,61 Cent pro Anteil) ziemlich gering sind. Liegt das an den hohen Gebühren? Oder verdient sich die DWS mit weiteren Abschlägen, zum Beispiel der sogenannten Performance Fee, eine goldene Nase? Ich erwäge, den Fonds zu verkaufen und den Betrag in Aktien anzulegen, da die Dividenden höher sind als die mickrigen Ausschüttungen des Fonds. Was halten Sie von dieser Idee? Die Rückgabe dürfte steuerfrei sein, da der Fonds vor Einführung der Abgeltungssteuer in meinem Depot llandete.“

Die Rendite Ihres Fonds setzt sich aus zwei Teilen zusammen – der Ausschüttung und der Wertsteigerung. Die Ausschüttung alleine sagt also gar nichts darüber aus, ob es sich um einen gutena oder schlechten Fonds handelt. Die Rendite des Vermögensbildungsfonds I lag zum Beispiel in den Jahren 2016 und 2013 unter der seines Vergleichsmaßstabes, dem MSCI World, 2015 und 2017 darüber, 2014 entsprach sie dem MSCI World. Die Ergebnisse sind nach Kosten ausgewiesen und in der sogenannten „wesentlichen Anlegerinformation“ vermerkt. Die jährliche Gebühr beträgt demnach derzeit 1,45 Prozent, eine Performance-Gebühr gibt es nicht. Da Sie ein sogenanntes Altinvestment besitzen, müsste die geplante Anlage in Einzelaktien nach der Umschichtung immer um so viel besser sein, dass die Abgeltungsteuer mit verdient würde – denn bei Ihrem Fonds ist für Sie jeder verdiente Euro auch einen Euro wert. Ein neuer Fonds oder Einzeltitel würde von jedem verdienten Euro 25 Cent (zuzüglich Soli und Kirchensteuer) abgeben müssen. Es erscheint mir höchst unrealistisch, dass Sie ein Investment finden, dass diesen Nachteil kompensieren kann – selbst wenn Sie in einen kostengünstigeren ETF investieren würden. Zu Ihrer Idee, direkt in Aktien anzulegen, möchte ich anmerken, dass Sie – sofern Sie nicht weitere Mittel in Einzeltitel anlegen wollen – mit diesem Betrag (bei 38 Anteilen wären dies derzeit knapp 6000 Euro) nicht die Möglichkeit haben, eine hinreichend große Streuung aufzubauen.

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