Egal ob Laufrad, Buntstift oder Kindersitz: Viele Spielsachen und Kinderprodukte erweisen sich in den Laboren der Stiftung Warentest als besonders unsicher. In den zurückliegenden beiden Jahren fiel gut jedes vierte Produkt durch, vier Mal so viel wie insgesamt üblich. „Die Ergebnisse sind erschreckend“, sagte Verbraucherschutzministerin Katarina Barley (SPD) gestern in Berlin. „Es ist die Verbrauchergruppe, die am verletzlichsten ist.“ Allein 2016 gaben die Menschen in Deutschland laut Schätzungen rund 7,2 Milliarden Euro für Kinderausstattung aus.
Wo lauern die Gefahren?
Zum Beispiel in Spielschleim, der gerade in vieler Kinder Hände ist. Fünf Packungen bestellte die Stiftung Warentest bei Amazon – keine hätte verkauft werden dürfen, sagt Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung Warentest. Weil sie zwei bis drei Mal mehr Bor enthielten als erlaubt. Das Halbmetall könne Erbrechen und Krämpfe auslösen. Krebs- und allergieauslösende Stoffe fanden sich in Stiften, Buggys, Kindersitzen, selbst in Erstspielzeug wie Kinderwagenketten, die Babys ganz sicher in den Mund nehmen. Schadstoffe sind das häufigste Problem, aber nicht das einzige. Jeder zweite Kinderhochstuhl fiel durch, weil Kinder unter dem Haltebügel hindurch hinausrutschen können und womöglich mit dem Kopf hängen bleiben. Anschnallgurte an Fahrradsitzen ließen sich leicht öffnen, Baby-Webcams warnten nicht, wenn die Verbindung abbricht.
Betrifft das nur Billigware aus China?
Nicht unbedingt. „Man kann nicht eindeutig sagen: Spielzeug aus Europa ist grundsätzlich besser als das aus Fernost“, sagt Untersuchungsleiter Holger Brackmann. „Es gibt bei beiden Gutes und Schlechtes.“ Und immer wieder ergeben Tests, dass das teuerste Produkt nicht immer das beste ist. Schädliche Flammschutzmittel etwa fanden sich auch im Griff eines Kinderwagens für mehr als 1000 Euro.
Warum schneiden Kinderprodukte so schlecht ab?
Ministerin Barley vermutet: „Bei Produkten spielt immer der Preis eine Rolle. Es wird immer die Hersteller geben, die sparen an der Sicherheit, um einen niedrigeren Preis anbieten zu können.“ Dass die Warentester oft das Etikett „mangelhaft“ vergeben, liegt aus Sicht der Spielwarenindustrie auch an den Prüfkriterien der Stiftung Warentest. Sie gingen oft über die gesetzlichen Vorgaben hinaus, an denen sich die Hersteller aber orientieren. Durchfallen kann ein Produzent auch, wenn er wie zuletzt etwa ein Bettzubehör-Anbieter von – nicht verbindlichen – DIN-Normen abweicht, um eine Matratze zu verbessern.
Was kann man jetzt noch kaufen?
Die Stiftung testet nur sehr wenige Produkte. Im Kaufhaus wie im Netz sollten Kunden deshalb auch auf das GS-Zeichen achten, rät Primus. Es belegt „Geprüfte Sicherheit“, wenn es ein externer Prüfer dem Hersteller bescheinigt – anders als beim CE-Zeichen, mit dem nur der Hersteller selbst erklärt, dass er die Vorschriften einhalte. Wer im Laden einkauft, sollte auch darauf achten, ob ein Produkt stark riecht und ob es sorgfältig verarbeitet ist. Primus: „Es wäre besser, wenn der Verbraucher ein wenig mitwirkt, indem er nicht jeden billigen Schrott kauft.“