Schöne Bescherung zum Jahresausklang

von Redaktion

Allenfalls ein kleines Geschenk war es am Freitag, aber keine Weihnachtsrally. Der Deutsche Aktienindex Dax kletterte doch wieder über die Marke von 10 600 Punkten. Trübe ist die Stimmung an der Börse trotzdem, angesichts der „schönen“ Bescherung mit einer weiteren Verlustwoche im Dax.

Kurz vor Weihnachten hat die US-Notenbank Fed auch den Börsianern hierzulande aufs Gemüt geschlagen. Zwar war die Zinserhöhung erwartet worden, aber es gab doch leichte Hoffnung, dass die Fed darauf verzichten würde. Allein die Attacken von US-Präsident Trump auf die Notenbank ließ Fed-Chef Jerome Powell fast keine andere Wahl als an der Zinsschraube zu drehen. Sonst wären Fragen nach der Unabhängigkeit der Notenbank aufgetaucht. Dazu droht in den USA die Zahlungsunfähigkeit der Regierung, auch dank Trump.

Noch trüber als im Dax, der so tief steht wie seit zwei Jahren nicht mehr, sieht es bei der Deutschen Bank aus. 6,84 Euro – auf diesen vor nicht allzu langer Zeit selbst für Experten kaum vorstellbaren Tiefstkurs rutschte das Papier des immer noch größten deutschen Geldhauses ab. Zur Erinnerung: Das Papier kostete einmal mehr als 100 Euro. Die Deutsche Bank mutiert zum Übernahmekandidaten.

Viele Experten und Volkswirte haben sich in den Weihnachtsurlaub verabschiedet, sind froh, sich das Trauerspiel erst einmal nicht mehr anschauen zu müssen – im schlechtesten Aktienjahr seit 2008. Damals riss die Finanzkrise die Kurse nach unten. Nicht die Experten hoffen, dass es im neuen Jahr wieder aufwärts geht. Die Skepsis überwiegt. „Viele Probleme werden sich nicht ad hoc lösen lassen“, sagt Michael Bissinger von der DZ Bank.

Vor allem ist das ein kaum zurechenbarer Präsident in den USA, der weiter Unsicherheit schürt und vermutlich am liebsten auch den Chef der US-Notenbank hinauswerfen würde, wenn er denn könnte. Aber so einfach wie bei Ministern ist das glücklicherweise nicht.

Ein wenig Zuversicht versucht DZ-Banker Bissinger mit dem Hinweis auf die Dividendensaison 2019 zu verbreiten. Was aber auch mit den starken Kurseinbrüchen zusammenhängt. Dadurch verbessert sich das Verhältnis von Dividenden zum Kurs, die Dividendenrendite steigt. Und zwar erheblich. „Der Dax verspricht eine attraktive Rendite von 3,7 Prozent“, sagt Bissinger. Das liege rund zehn Prozent über den historischen Werten. Angesichts der zum Teil massiven Kursverluste ist das für Anleger nur ein schwacher Trost. Immerhin: Auch 2019 werden die 30 Dax-Firmen wieder mehr als 30 Milliarden Euro an ihre Eigentümer ausschütten.

Noch eineinhalb Tage müssen die Börsianer das enttäuschende Börsenjahr 2018 aushalten. An Heiligabend wird nicht gehandelt, erst wieder am 27. und zuletzt am Freitag, dem 28. Dezember. Dann ist schon um 14 Uhr Schluss. Die wenigstens Börsianer dürften dann, wie üblich, Lust versprühen, auf das Börsenjahr mit einem Glas Sekt 2018 anzustoßen. ROLF OBERTREIS

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