Kaum hat sich bei Fernsehern ab etwa 50 Zoll Bilddiagonale (127 Zentimeter) die vierfache Full-HD-Auflösung, kurz 4K, etabliert, drehen die TV-Hersteller schon wieder an der Schraube: Alle namhaften Marken haben auf der Technikmesse CES in Las Vegas Modelle mit der 16-fachen Zahl an Bildpunkten präsentiert, kurz 8K.
Objekte wirken auf 8K-Geräten plastischer
Zwar halten viele Experten 8K erst mit Bilddiagonalen ab 100 Zoll (254 Zentimeter) für sinnvoll, weil auf so großer Fläche die Pixelstruktur von 4K zu grob ausfällt und bei normalem Sitzabstand als Raster störend sichtbar ist. Doch die Hersteller ficht das wenig an, sie beginnen ihre neuen 8K-Modellreihen schon mindestens ab 85 Zoll (216 Zentimeter). Im direkten Vergleich, etwa mit Samsungs vorjährigem 85-Zoll-Spitzenmodell in 4K sowie dem diesjährigen 8K-Nachfolger, ergibt das durchaus Sinn. Auf dem 8K-Schirm wirken Objekte, wie zum Beispiel am Himmel schwebende Heißluftballons, deutlich plastischer. Das Bild macht einen schärferen Eindruck, die Farben sind kräftiger und das Rauschen in kleinstruktuierten Flächen, etwa einem Waldrand, ist geringer.
Auch Algorithmen sorgen für scharfes Bild
Allerdings ist schwer zu sagen, wie viel des guten Bildes allein der höheren Auflösung geschuldet ist. Einen gehörigen Anteil haben daran sicher auch die Algorithmen zur Bildverbesserung, an denen die Hersteller pausenlos tüfteln. Filme in 4K- oder gar 8K-Auflösung sind immer noch rar. Das meiste Videomaterial wird Fernsehern in Full-HD- oder gar PAL-Qualität zugespielt. In Zeiten von Streamingdiensten wie Youtube, Amazon Prime oder Netflix kommt dieses Material oft auch nicht mehr unkomprimiert via Kabel oder Satellit im Wohnzimmer an, sondern zusätzlich mit verminderter Datenrate aus dem Internet. Die Hersteller stellen sich dem Anspruch, indem sie mithilfe künstlicher Intelligenz Myriaden von Videobildern analysieren und optimal anpassen. Damit die Berechnungsformeln aktualisiert werden können, ist bei aktuellen Fernsehern inzwischen eine ständige Verbindung mit dem Internet vonnöten, um kein Update zu verpassen.
Energiehunger von 8K-Fernsehern steigt
Besonders bei organischen Leuchtdioden, sogenannten OLED-Bildschirmen, wo jeder Bildpunkt eine separate Lichtquelle darstellt, dürfte sich durch vierfache Pixelzahl auch der Energiehunger von 8K-Geräten verglichen mit 4K-Fernsehern deutlich erhöhen. Zwar schweigen sich die Hersteller noch aus, aber mehr als Energieeffizienzklasse B wird wohl keiner der neuen 8K-Fernseher erreichen können.
Micro-LED: Alternative zu OLED-Geräten
Samsung arbeitet weiter an seiner neuen Bildschirmtechnik Micro-LED. Im Gegensatz zum Konkurrenten LG will dieser koreanische Hersteller selbstleuchtende Displays nicht mit Leuchtdioden auf organischer Basis (OLED) realisieren, sondern mit, auf mikroskopische Maßstäbe geschrumpften, anorganischen Leuchtdioden, wie sie etwa auch in Leuchtanzeigen vorkommen. Man verspricht sich dadurch mehr Helligkeit, einen höheren Kontrast, ein größeres Farbvolumen sowie einen geringeren Strombedarf. Im Vergleich zum letztjährigen Prototyp ist es Samsung nun gelungen, die Bildpunkte auf gut ein Viertel zu schrumpfen.
Technik funktioniert jetzt auf 4K-Modellen
Damit kann auf der Messe in Las Vegas nun erstmals ein Micro-LED-Bildschirm mit 4K-Auflösung und einer noch wohnzimmertauglichen Bilddiagonale von 75 Zoll (191 Zentimeter) gezeigt werden. Eine weitere Besonderheit ist, dass dieses Display nicht aus einem Stück gefertigt, sondern aus einzelnen Kacheln zusammengesetzt ist. Durch den modularen Aufbau sollen auch ungewöhnliche Bildformate gefertigt werden können, die sich nahtlos in die jeweilige Wohnumgebung einfügen. Je nach Bedarf kann beispielsweise nur ein Teil der Kacheln als Fernseher fungieren, andere Kacheln etwa als Uhr oder Wanddekoration. Ganz ohne sichtbare Stoßkante gelingt die Kombination der Kacheln aber noch nicht.
Fernseher aus dem Rollokasten
Wie flexibel dünne OLED-Bildschirme sein können, demonstrierte LG in Las Vegas mit seinem Signature OLED TV R (Model 65R9). Wenn er nicht gebraucht wird, befindet sich der 65 Zoll große Bilschirm in einem, geschätzt zwei Meter breiten, Kasten, der an Musiktruhen der 50er-Jahre erinnert. In diesem Zustand kann der Fernseher auch zur Musikwiedergabe genutzt werden. Zu etwa einem Drittel ausgefahren, bietet der OLED-Schirm allerlei Anzeigen an: So etwa Uhrzeit, Nachrichten oder den Wetterbericht. Aber auch eine Diashow eigener Bilder sowie Kaminfeuer oder Schneegestöber sind möglich.
Mechanik erinnert an Dia-Leinwand
Lautlos zu voller Größe hochgefahren hat man einen vollwertigen OLED-Bildschirm mit 65 Zoll (165 Zentimeter) vor sich. Die Hebemechanik mit Ellenbogengelenk erinnert zwar an die Dia-Leinwände vergangener Zeiten, die Bildqualität ist aber auf der Höhe der Zeit. Während der Demonstration konnten auch keine Bildfehler aufgrund der gerollten Lagerung festgestellt werden. Bereits zum kommenden Weihnachtsgeschäft soll es die OLED-Leinwand auch in Deutschland zu kaufen geben. Zum Preis machte LG zwar keine Angaben, widersprach der Vermutung eines fünfstelligen Betrags aber auch nicht.
Drei Laser projizieren Bild an die Wand
Der Trend zu immer größeren Bilddiagonalen ist ungebrochen. Bei LCD- und OLED-Bildschirmen geht dieses Wachstum aber mit zunehmendem Gewicht und Strombedarf einher. Vermutlich deshalb hat Hisense für seinen 4K Smart TriChroma Laser TV das Prinzip des Projektionsfernsehers wieder ausgegraben. Drei unabhängige Laser werfen in Kombination mit einem Spiegel-Chip alle 32 Mikrosekunden rund 8,3 Millionen Bildpunkte (4K-Auflösung) an die Wand. Dank einer speziellen Technik steht der Projektor nur rund 30 Zentimeter vor der Leinwand. Zumindest bei der Präsentation am dämmrigen Messestand war die Bildqualität einem ebenso großen LCD-Bildschirm ebenbürtig. Zu Preis und Markteinführung machte der Hersteller keine Angaben.
Faltbare Monitore in Smartphones
Die neue Bildschirmtechnik macht in Las Vegas auch vor Tablets nicht halt: Royoles Flexpai ist ein Tablet, das man zu einem Smartphone zusammenklappen kann. Die Vorderseite des Geräts wird fast ausschließlich von einem faltbaren Display eingenommen. Das Flexpai kann so mithilfe eines Scharniers in der Mitte zusammengeklappt werden – der Bildschirm bleibt dabei auf den Außenseiten. Das Geheimnis dahinter ist eine Displaytechnologie, die auf sehr dünne und biegsame Folien setzt, die sich rund 200 000 Mal biegen lassen sollen, sagte Royole-Chef Bill Liu. Mit dem flexiblen Gerät sollen Nutzer nicht mehr Tablet und Smartphone, sondern nur noch ein Gerät kaufen müssen. Aktuell ist das Flexpai noch nicht im Handel erhältlich.