Es könnten mehr als 50 Milliarden Euro sein. Auf Aktionäre deutscher Unternehmen wartet in den nächsten Wochen ein Geldsegen in Form von üppigen Dividenden. Es winkt sogar ein neuer Rekord. Zwar war das Aktienjahr 2018 mit einem Minus im Deutschen Aktienindex Dax von rund 18 Prozent miserabel. Aber die Unternehmen haben noch ansehnliche Gewinne eingefahren und schütten sie zum großen Teil aus.
Wobei deutsche Sparer begrenzt profitieren, weil zum einen nur zehn Millionen Deutsche Aktien und Aktienfonds besitzen. Zum anderen, weil die Aktien der 30 größten deutschen Unternehmen zu rund 54 Prozent ausländischen Aktionären gehören – bei Infineon, Bayer und der Deutschen Börse sind es sogar neun von zehn Aktien. Die 30 Dax-Konzerne zahlen, sagt Aktienstratege Andreas Hürkamp von der Commerzbank, gut 38 Milliarden Euro und damit so viel wie nie zuvor. Fast 21 Milliarden davon fließen ins Ausland.
Daneben freuen sich Börsianer und Anleger über die überraschend positive Entwicklung im ersten Monat 2019, abgesehen von den Bankaktien und den jüngsten Turbulenzen bei den Aktien des Zahlungsdienstleister Wirecard wegen angeblich fragwürdiger Geschäfte.
Um fast sechs Prozent haben die Kurse im Dax im Januar zugelegt und damit einen Teil der herben Einbuße von 2018 wettgemacht. Es war der bislang drittbeste Jahresstart überhaupt, sagt Michael Bissinger von der DZ Bank. Der extreme Pessimismus von Ende 2018 löse sich, befördert auch durch die Notenbanken. Die Europäische Zentralbank EZB wird den Leitzins frühestens in der zweiten Jahreshälfte erhöhen, die US-Notenbank Fed legt eine Zinspause ein.
Einen „Börsenhammer“ nennt das Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der DekaBank. Ähnlich sieht es Sören Wiedau von der Weberbank. Mittlerweile überwiegt die Zahl derer, die dem Aktienmarkt in diesem Jahr einiges zutrauen. Der Dax habe mit dem Kurssturz im Dezember bereits eine Rezession eingepreist, sagt Klaus Kaldemorgen, erfahrener Fondsmanager bei der Deutsche Bank-Tochter DWS. Unter allerdings heftigen Schwankungen könne es 2019 aufwärts gehen. Angesichts der in seinen Augen niedrigen Bewertung erwartet Bert Flossbach von der Fondsgesellschaft Flossbach von Storch, ein „ordentliches“ Aktienjahr.
Die Risiken sind nicht vom Tisch. Brexit, der Handelsstreit UND die nicht mehr so rund laufende Weltwirtschaft sind derzeit die größten. Andererseits glauben Auguren, dass all das schon weitgehend in den Kursen eingepreist ist. Weshalb es 2019 im Dax ihrer Meinung nach nach oben gehen dürfte. ROLF OBERTREIS