Die Teuerung in Deutschland hat sich abgeschwächt. Im Januar dämpften gesunkene Energiekosten den Anstieg der Verbraucherpreise auf 1,4 Prozent. Im Dezember waren es nach neuer Berechnung noch 1,6 Prozent. Diese Zahl hat sich geändert, weil die Statistiker Zusammensetzung und Gewichtung des Warenkorbes überprüft haben, in den die Preise von Dienstleistungen und Waren einfließen.
Wie wird die Inflationsrate berechnet?
Monat für Monat schwärmen Preiserheber der Statistischen Landesämter und des Wiesbadener Bundesamtes aus. Sie notieren bundesweit in Geschäften, was Obst und Gemüse, Bücher und Zeitschriften, Schuhe und Möbel kosten. Wie hoch ist der Listenpreis für ein Auto, was kostet eine Pauschalreise, was der Sprit an der Tankstelle? Mehr als 300 000 Einzelpreise von Waren und Dienstleistungen werden repräsentativ nach einem stets gleichen Schema erfasst. Erhoben werden die Preise von aktuell rund 650 Güterarten, die den sogenannten Warenkorb bilden. Auf dieser Grundlage berechnen die Statistiker die Entwicklung der Teuerung.
Warum wird der Warenkorb regelmäßig unter die Lupe genommen?
Das Statistische Bundesamt überprüft in der Regel alle fünf Jahre die Gewichtung und Zusammensetzung des Warenkorbes. Denn die Verbrauchs- und Einkaufsgewohnheiten der Menschen ändern sich. Veränderungen zeigen sich vor allem auf längere Sicht. „Im ersten Warenkorb von 1950 hatten Nahrungsmittel einen Anteil von mehr als 50 Prozent. Heute sind die Ausgaben fürs Wohnen der größte Posten“, berichtet Thomas Krämer vom Statistischen Bundesamt.
Was wurde diesmal geändert?
Zwei Beispiele: Der Bereich Wohnen machte im alten Schema 31,7 Prozent der durchschnittlichen Konsumausgaben aus. Im neuen Schema sind es hingegen 32,5 Prozent. Der Anstieg kommt daher, dass Garagenmieten aus dem Bereich Verkehr in den Bereich Wohnen umsortiert wurden. Der Anteil der Nettokaltmieten für Wohnungen ist hingegen gesunken – die Mieten sind weniger gestiegen als die Ausgaben für den gesamten Warenkorb. Der Anteil für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke ist hingegen von 10,3 Prozent auf 9,7 Prozent gesunken. Gründe dafür könnten sein, dass die Verbraucher mehr günstige Lebensmittel im Discounter kaufen und mehr außer Haus essen – Restaurantbesuche fallen in einen anderen Bereich.
Warum hat manch einer das Gefühl, die amtliche Rate stimme nicht?
Die Teuerungsrate ist ein Durchschnittswert, der dem einzelnen Verbraucher und seinem individuellen Einkaufsverhalten nicht unbedingt gerecht wird. Hinzu kommt: „Es gibt Preise, die Menschen besonders stark wahrnehmen. Das sind vor allem Güter, die man regelmäßig kauft und häufig auch bar bezahlt, zum Beispiel Brot oder andere Lebensmittel. Hier werden Preisänderungen schnell wahrgenommen. Das gilt auch für Spritpreise“, erläutert Krämer. Ein anderes Beispiel sind Mieten. Diskutiert wird vor allem der starke Anstieg in Ballungsräumen. Diesen gibt es hauptsächlich bei Neu- und Wiedervermietungen, deren Anteil am Gesamtmarkt vergleichsweise gering ist. Einschließlich bestehender Mietverhältnisse stieg die Nettokaltmiete im Bundesschnitt um 1,6 Prozent. „Dennoch sind gerade die Mieten bei Neu- und Wiedervermietungen ein wichtiger Indikator für die angespannte Wohnungssituation“, so die Behörde. Für den einzelnen Menschen ist der Verbraucherpreisindex also nicht unbedingt repräsentativ. Wer sehen will, wie sich sein eigenes Leben verteuert, kann den „Persönlichen Inflationsrechner“ auf der Internetseite des Statistischen Bundesamts benutzen.
Weshalb ist die Beobachtung der Verbraucherpreise wichtig?
Klettern die Preise auf breiter Front über einen längeren Zeitraum stark, können sich die Menschen immer weniger für ihr Geld leisten und büßen einen Teil der Ersparnisse ein. Bei hoher Inflation verliert das Geld rasant an Wert, die Verbraucher flüchten in Ersatzwährungen. So waren nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland Zigaretten eine beliebte Tauschwährung. Aber auch dauerhaft niedrige oder sinkende Preise können gefährlich sein. Sie können Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben – und das kann die Konjunktur bremsen. Die Notenbanken beobachten daher genau, wie sich die Inflation entwickelt. Die Währungshüter steuern notfalls gegen, zum Beispiel mit Zinssenkungen oder -erhöhungen.