Crowdinvesting kann hohe Renditen bringen. Doch Anleger sollten sich über die Risiken genau informieren.
Positive Beispiele locken die Anleger
Die Firma Erdbär aus Berlin ist ein positives Beispiel: Sie wurde Ende 2010 gegründet und stellt gesunde Snacks aus Obst und Gemüse für Kinder her. Offenbar eine gute Idee. Denn drei Jahre nach Gründung setzte die Firma schon mehr als eine halbe Million Euro um. Doch dann kam der Punkt, an dem Erdbär Kapital brauchte – um weiter zu wachsen, mehr Mitarbeiter einzustellen, neue Produkten auf den Markt zu bringen und um neue Absatzmärkte zu erschließen. So entschlossen sich die Gründer, über die Crowdfunding-Plattform Seedmatch Kapital einzuwerben. Jeder der wollte, konnte sich nun an Erdbär beteiligen. Ein Investment, das sich voll auszahlte. Denn wer 250 Euro investierte, konnte seine Anteile 2015 für den Betrag von 1000 Euro zurückgeben. Eine Rendite von 300 Prozent. Das ist natürlich ein besonders erfolgreiches Beispiel. Aber auch mit vielen anderen Crowdfunding-Projekten ließen sich zumindest zweistellige Renditen im Schnitt pro Jahr erzielen.
Interesse an Crowdfunding wächst
Kein Wunder, dass diese Form der Geldanlage bei Anlegern immer beliebter wird. Laut Crowdfunding.de hat das gesamte seit 2011 in Deutschland investierte Crowd-Kapital im Juni 2018 die Marke von 500 Millionen Euro erreicht. Und laut einer Umfrage der Verbraucherzentrale Hessen will jeder siebte Internetnutzer künftig über Crowdinvesting-Plattformen Geld anlegen. Dass diese Idee an Beliebtheit gewinnt, könnte aber auch an der Vielfalt an Anlagemöglichkeiten liegen, die Crowdfunding bietet. Längst werden auf diese Weise Bücher, Filme, Immobilienprojekte oder Projekte im Bereich alternativer Energien finanziert. Selbst Fußballvereine wie Herta BSC sammeln über solche Plattformen Kapital ein.
Geld verleihen oder sich beteiligen
Am populärsten aber sind Investments in Unternehmen, was im Wesentlichen über zwei Wege geht: Das „lending-based Crowdfunding“, bei dem der Investor ähnlich wie bei einer Anleihe eine fixe Verzinsung erhält und seine Anlagesumme am Ende der Laufzeit zurückbekommt. Und das „equity-based Crowdfunding“, bei dem sich der Anleger an einer Firma beteiligt, also Eigenkapitalgeber ist.
„Letzteres kann für Anleger interessant sein, die ihrem Portfolio direkte Firmenbeteiligungen beimischen wollen, die aber die meist recht hohen Mindestsummen für das klassische Private Equity nicht aufbringen können“, sagt Michael Thaler, Vorstand der Top Vermögen AG in München.
Risiken bis hin zum Totalverlust
„Allerdings sollte sich jeder Anleger unbedingt mit den Risiken, die damit verbunden sind, genau auseinandersetzen.“ Denn die sind nicht unerheblich. „Das größte Risiko ist es, sein komplettes eingesetztes Kapital zu verlieren“, warnt Rolf Tilmes, Vorstandsvorsitzender vom FPSB Deutschland, ein Zusammenschluss professioneller Finanzplaner. Dass das nicht unbedingt jedem klar ist, verdeutlicht eine Umfrage der Verbraucherzentrale. Da gaben 39 Prozent der Befragten an, dass sie diese Art des Investments für riskant oder sehr riskant halten. Mit anderen Worten: 61 Prozent sind sich des Risikos eines Totalverlustes nicht bewusst.
Plattformen treffen eine Vorauswahl
Wer dennoch sein Geld über Crowdfunding investiert, sollte noch andere Dinge beachten. „Sie müssen bedenken, dass professionelle Private-Equity-Investoren, womit Crowdfunding vergleichbar ist, Experten beschäftigen, die sich ausführlich mit dem Zahlenwerk einer Firma, den künftigen Aussichten des Geschäftsmodells und der Qualifikation der handelnden Personen beschäftigen“, so Tilmes. „Privatanleger können das nicht leisten.“ Zumindest aber treffen die Crowdfunding-Plattformen eine Vorauswahl. Sie beschäftigen meist ebenfalls Experten, die Business- und Finanzpläne analysieren und die Gründer oder Geschäftsführer auf Herz und Nieren prüfen. Bei der Plattform Seedmatch zum Beispiel wird nach eigenen Angaben gerade mal ein Prozent der eingereichten Ideen am Ende den Anlegern auch angeboten. Dennoch gilt es auch bei diesen Projekten genau hinzusehen. So hat die Verbraucherzentrale Hessen festgestellt, dass bei den Angaben im Vermögensanlagen-Informationsblatt und zum Laufzeitende in jeweils mehr als der Hälfte der Fälle unkonkrete oder widersprüchliche Aussagen gemacht wurden.
Anleger muss das Investment verstehen
Anleger, raten die Verbraucherschützer, sollten deshalb nur investieren, wenn sie wirklich alles genau verstehen. Anlageexperte Thaler geht noch einen Schritt weiter: „Wenn jemand, der selbst im IT-Bereich tätig ist, sich an einer Technologiefirma beteiligt, dann kann derjenige das Geschäftsmodell und die Erfolgschancen besser einschätzen“, sagt er. „Sonst würde ich eher die Finger davon lassen.“ Außerdem sollten Anleger bedenken, dass die Konditionen in der Regel eher zugunsten der Unternehmen verschoben sind. Hilfreich können für Interessierte die Checklisten im Internet sein, die es zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale gibt. Denn einen gewissen Charme hat Crowdfunding für risikofreudige Investoren schon.
Am besten nur „Spielgeld“ einsetzen
„Allerdings“, rät Thaler, „würde ich dafür – da die Anlage hoch riskant und nicht liquide ist – eher Spielgeld nehmen und mir ein Portfolio aus mehreren Projekten zusammenstellen.“ Schließlich sind dann die Chancen größer, dass darunter ein oder zwei erfolgreiche Investments sind – vielleicht sogar eines wie Erdbär, mit dem ein solches Portfolio dann am Ende eine positive Rendite abwirft.