Die Zahl der Aktionäre in Deutschland ist 2018 weiter gestiegen – um 250 000 auf 10,3 Millionen. Trotzdem führen Aktien, Aktienfonds und börsengehandelte Fonds (ETF) weiter ein Schattendasein, selbst in Zeiten von Mager- und Nullzinsen. Jüngste Umfragen zeigen, wie Alexander Baumgart von der ING betont, dass fast die Hälfte der Anleger mit Orientierungslosigkeit ringt. „47 Prozent haben das Gefühl, nicht das Optimale aus ihrem Vermögen zu machen.“ Zudem haben die meisten unrealistische Renditevorstellungen von aktuell 1,2 Prozent beim Sparbuch und 1,6 Prozent bei Tagesgeld. Tatsächlich gibt es derzeit im Schnitt nur 0,10 Prozent, so die Finanzberatung FMH. Nur in Ausnahmen und für Neukunden und nur für begrenzte Zeit bieten Institute auch mal ein Prozent. Bei einer Inflationsrate von zuletzt 1,6 Prozent im Februar verlieren Sparer unter dem Strich aber auch damit Geld.
Ob Anleger gerade jetzt auf den Börsenzug aufspringen, ist fraglich. Die weltweite Konjunkturabschwächung, Handelskonflikte, das Theater um den Brexit und die kritische Lage in Italien sind nur die wichtigsten Faktoren, die für Unsicherheit sorgen. Volkwirte und Börsianer sind sich uneinig. Der Ausblick bleibe problematisch, eine Rezession sei nicht auszuschließen, heißt es beim Investmenthaus Feri. „Die Aktienmärkte dürften im Jahresverlauf weitere Korrekturen erleben“, sagt Chef-Anlagestratege Heinz-Werner Rapp. Bei der Landesbank Hessen-Thüringen dagegen ist man zuversichtlich. Bis Jahresende werde der Dax auf 13 200 Punkte steigen – in Erwartung der nach Ansicht der Banker bis dahin absehbaren Konjunkturwende.
Zuletzt bewegte sich der Dax seitwärts, am Freitag machte er aber einen kleinen Sprung nach oben in Richtung 11 700 Punkte. Hauptgrund: fällige Termingeschäfte. Damit hat der Index seit Jahresanfang deutlich um mehr als zehn Prozent zugelegt.
Alternativen zu Aktien bleiben aber rar. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird den Leitzins frühestens 2020 von derzeit null wieder anheben. Manche Volkswirte erwarten dies sogar erst 2021. Das spricht für Aktien. Zudem stehen die meisten Firmen immer noch gut da. Für 2018 schütten sie Dividenden in Rekordhöhe aus. Allein die 30 Dax-Konzerne werden knapp 38 Milliarden Euro an ihre Aktionäre zahlen, sagt Andreas Hürkamp von der Commerzbank – drei Prozent mehr als für 2017.
ROLF OBERTREIS