12 Monate Fahrerlaubnisentzug und 2000 Euro Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung – das war die Strafe für eine Autofahrerin, die mit einem im Krankenhaus verabreichten Schmerzcocktail im Blut ungebremst einen Auffahrunfall verursacht hatte. Die Frau focht das Urteil an, weil der behandelnde Arzt sie nicht auf die Auswirkungen auf ihre Fahrtüchtigkeit durch die Gabe von erheblichen Mengen des Wirkstoffs Lorazepam hingewiesen hatte. Nach einem Termin im Amtsgericht München (Az.: 912 Cs 421 Js 106234/17 vom 6. September 2017) musste sie ihren Einspruch mangels Erfolgsaussichten zurücknehmen – schließlich hatte sie selbst die mit der Medikamenteneinnahme verbundenen Einschränkungen bei sich festgestellt, aber nicht die richtigen Konsequenzen gezogen und ihr Auto stehen gelassen.
Viele Medikamente machen fahruntüchtig
Tatsächlich beeinflusst etwa jedes fünfte Medikament die Fahrtauglichkeit, wie der ADAC im „Motorwelt“-Magazin feststellt. Und 23 Prozent der erwachsenen Bundesbürger nehmen dauerhaft drei oder mehr Medikamente. Diese Zahl nennt Dr. Sonja Mayer, Vizepräsidentin der Bayerischen Landesapothekenkammer, und fügt hinzu, welche gefährlichen Auswirkungen das haben kann: „Schlechtes Sehen erhöht die Gefahr, an einem Verkehrsunfall beteiligt zu werden, bereits um neun Prozent, Müdigkeit um 35 Prozent, Magenschmerzen oder Übelkeit sogar um 46 Prozent.“
Warnhinweise im Beipackzettel checken
Deshalb muss man bei jedem neu verordneten Arzneimittel unbedingt den Beipackzettel checken. Unter den Warnhinweisen sind auch mögliche Beeinträchtigungen der Fahrtüchtigkeit zu finden. Und die Liste der infrage kommenden Medikamente ist länger, als die meisten denken. Dass Schlaf- und Beruhigungsmittel (zum Beispiel Benzodiazepine wie das oben genannte Lorazepam) sowie starke Schmerzmittel (Morphine, Opioide) genau wie Antidepressiva die Reaktionsfähigkeit senken, dürfte allgemein bekannt sein. Allerdings können auch frei erhältliche Erkältungsmittel wie Hustensaft oder Nasenspray für Müdigkeit und Benommenheit sorgen. Allergiemittel (Antihistaminika) machen ebenfalls häufig schläfrig. Und selbst Mittel gegen Bluthochdruck oder Sodbrennen können negative Auswirkungen auf die Fitness hinter dem Steuer haben. Genau wie Augentropfen, die die Sehfähigkeit beeinträchtigen können. Besonders aufpassen müssen auch Autofahrer mit Diabetes: Vor allem bei Unterzuckerung sollte man in Bus oder Bahn umsteigen.
Wechselwirkungen nicht unterschätzen
Ebenfalls gefährlich sind Wechselwirkungen. Zum einen mit Alkohol, der die Wirkung bestimmter Medikamente verstärken oder den Abbau der Wirkstoffe im Körper verzögern kann. Beträchtliche Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit kann auch die gleichzeitige Einnahme von verschiedenen Medikamenten haben. Der ADAC nennt ein Beispiel dafür: Ein Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Diclofenac in Kombination mit einem Benzodiazepin als Beruhigungsmittel setzt die Reaktionsfähigkeit stark herab. Gefährliche Wechselwirkungen kann es laut Sonja Mayer sogar mit ganz alltäglichen Nahrungsmitteln geben: „Grapefruitsaft kann gleich mit mehreren Medikamentengruppen negativ wirken. Bei bestimmten Allergiemitteln ist in Kombination mit dem Fruchtsaft verstärkte Müdigkeit möglich.“ Also sollte man immer auf sein Körpergefühl hören und im Zweifel nicht Auto fahren. Denn die Verantwortung trägt man am Ende selbst.
Verlust des Versicherungsschutzes
Die Strafen für Verkehrsverstöße unter Drogen- oder Medikamenteneinfluss reichen genau wie die für Alkohol von Punkten in Flensburg über Fahrverbote bis zu empfindlichen Geldstrafen. Wer unter Medikamenteneinfluss einen Unfall verursacht, muss sogar ein Strafverfahren und den (teilweisen) Verlust des Versicherungsschutzes befürchten. Wenn große Fahrlässigkeit nachgewiesen wird, kann die Kfz-Haftpflichtversicherung den Fahrer nämlich zumindest teilweise in Regress für den Schaden am anderen Fahrzeug nehmen. Zudem muss dann eine bestehende Kaskoversicherung den Schaden am eigenen Fahrzeug nur teilweise oder gar nicht bezahlen.