Junge Leute in der Schuldenfalle

von Redaktion

Die Zahlen sind alarmierend: Im Jahr 2018 waren 1,58 Millionen der unter 30-Jährigen überschuldet. Oft hat das fatale Folgen. Aber es gibt Wege aus der Schuldenfalle und viele Tipps, erst gar nicht in sie hineinzutappen.

VON ANNETTE JÄGER

Mehr ausgeben, als man hat – das ist der Hauptgrund, weshalb junge Erwachsene in die Schuldenfalle tappen. Durch Ratenkäufe, Dispokredite und Einsteigerangebote wird Konsum leicht gemacht. Doch der Umgang mit Geld will gelernt sein.

Schulden mit Folgen

Kultige Turnschuhe, neuestes Handy samt Flatrate, Netflix- und Spotify-Abo, ein Vertrag im Fitness-Studio – viele junge Erwachsene geben mehr aus, als sie sich leisten können. Unangemessenes Konsumverhalten wird es im Schuldneratlas 2018 der Wirtschaftsauskunftei Creditreform genannt. Es ist oft der schleichende Einstieg in die Verschuldung. „Schulden in jungen Jahren sind fatal, man kommt nicht aus den Startlöchern“, sagt Achim Stieve, Geschäftsführer der Caritas Jugendsozialarbeit in Hannover. Das Thema begleitet einen wie ein roter Faden und wirkt sich auch auf andere Lebensbereiche aus: Schulden ziehen Schufa-Einträge nach sich, in der Folge bekommt man beispielsweise nur schwer eine Wohnung zur Miete. Was dabei die wenigsten wissen: Auch ein Dispokredit ist ein Kredit. Wird er nicht zurückbezahlt, bewirkt dies einen Schufa-Eintrag. Viele Schuldner schlafen auch schlecht, weil viele Gläubiger bei Zahlungsverzug nicht lange fackeln und Inkassobüros einschalten. Insbesondere Telefonanbieter gehen oft so vor.

Gute Finanzplanung

Den Überblick behalten – das ist die wichtigste Strategie, Schulden zu vermeiden. Ein Haushaltsbuch hilft dabei. „Alle monatlichen Einnahmequellen sind aufzulisten und den Ausgaben gegenüberzustellen“, sagt Stieve. Ist die Ausgabenseite höher als die Einnahmen, wird man zwangsläufig Schulden machen. Im Idealfall ist es andersherum. Nach der ersten Kostenaufstellung gilt es, jede Ausgabe konsequent zu notieren, dabei helfen Budget-Apps fürs Smartphone. So kann man nachvollziehen, wo das Geld geblieben ist und wo man sparen kann. Nach ein paar Monaten hat man ein Gefühl dafür entwickelt. Noch besser: Man kann nachvollziehen, wofür man Geld ausgibt und wo Sparpotenzial ist. Vielleicht staunt man, wie viel Geld man für Sonntagseinkäufe an der Tankstelle ausgibt. Oder wie viel man monatlich in Restaurantbesuche investiert. An dieser Schraube lässt sich dann drehen und sparen.

Ein Haushaltsbuch hilft

In einem Haushaltsbuch werden alle Einnahmen und ausgaben aufgelistet: Je nachdem, ob jemand eine Ausbildung macht, studiert oder schon einen Job hat, zählen zu den Einnahmen: Lohn, Unterhalt der Eltern, Arbeitslosengeld, Taschengeld, BAföG, Nebenjob, Elterngeld, Kindergeld. Ausgaben sind: Miete, Strom oder Gas, Fahrtkosten, Handy- und Internetkosten, Auto, Versicherungen, Rundfunkbeitrag, Abos (Netflix, Spotify und Co.), Ratenzahlungen, Vereinsbeiträge, Verpflichtungen aus Verträgen. Wer mehr ausgibt, als er einnimmt, lebt über seine Verhältnisse und hat keine Chance, Rücklagen zu bilden.

Gefährliche Verträge

„Keine Verträge abschließen“, warnt Stieve. Verträge binden einen langfristig. Das betrifft vor allem den Handyvertrag, die Schuldenfalle Nummer eins. Besser sind Prepaid-Angebote, die volle Kostenkontrolle erlauben. Das Bankkonto sollte ein reines Guthabenkonto sein, rät Stieve. So kommt man gar nicht erst in die Versuchung, den Dispokredit zu nutzen. Vorsicht gilt auch bei Angeboten wie „Null Prozent Zinsen“ oder „Flat zum Niedrigpreis“. Oft gelten solche Versprechen nur für einen kurzen Zeitraum, danach fallen hohe Kosten an. Und vom Einkauf auf Raten rät der Experte grundsätzlich ab: „Ratenkauf signalisiert, dass man sich eine Anschaffung nicht leisten kann.“

Beratung

Wer Schulden hat, kann Hilfe erhalten. Es gibt kostenlose Schuldnerberatungsstellen – zum Beispiel bei Kommunen oder Wohlfahrtsverbänden – die dabei unterstützen, Ordnung ins Finanzchaos zu bringen. Die Caritas hat ein Angebot speziell für junge Leute, das sich „Finanzcoaching“ nennt: Die Klienten erhalten Hilfe beim Schuldenabbau, lernen aber auch, langfristig mit Geld umzugehen. Großen Zulauf erfährt das Online-Beratungsangebot der Caritas. Vorsicht: Es gibt auch kostenpflichtige Angebote – deshalb vor der Beratung lieber nachfragen. Schulden loswerden: Durchschnittlich 3000 Euro Schulden haben die jungen Erwachsenen, die in die Caritas-Beratungsstelle nach Hannover kommen. Die meisten haben eine „Postallergie“ entwickelt, sagt Stieve: Sie vermeiden es, Briefe zu öffnen, aus Angst, mit der nächsten Rechnung, dem nächsten Mahnbescheid konfrontiert zu werden. Eine Privatinsolvenz sei in jungen Jahren oft nicht sinnvoll, sagt Stieve. „Dafür ist ein sehr langer Atem nötig.“

Wer in der Schuldenfalle sitzt, sollte lieber schnell Kontakt zu seinen Gläubigern aufnehmen und weitere Mahnungen stoppen. Ziel muss es sein, die Schulden in kleinen Raten abzubezahlen oder einen Vergleich auszuhandeln.

Mehr Informationen

Das sechsseitige Dossier zum Thema gibt es unter der Fax-Abrufnummer 09001/25 26 65 50 (1 Minute = 0,62 Euro) bis 3. Mai 2019. Das Fax-Gerät auf „Polling“ oder „Sendeabruf“ stellen, Fax-Service-Nummer wählen und Starttaste drücken. Kein Fax? Senden Sie einen mit 0,85 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort „Junge Leute in der Schuldenfalle“ an: Biallo & Team GmbH, Bahnhofstr. 25, 86938 Schondorf

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