Die Grillsaison steht vor der Tür. Die Sonne scheint, die Getränke sind kalt, der Grill heiß – da darf ein Klecks Ketchup zur Wurst nicht fehlen. Die Zeitschrift „Test“ der Stiftung Warentest hat 19 Ketchups untersucht. Der Test macht Appetit: 14 Produkte gut, fünf befriedigend.
Bio-Produkte liegen an der Spitze. Sieger ist der Ketchup von Alnatura (Preis 36 Cent pro 100 Milliliter, Note 1,6). Es folgen der Biokids Tomaten Ketchup der Bio Zentrale (60 Cent, Note 2,0), der Denree-Kinderketchup Bambini (54 Cent, Note 2,0) und der Rapunzel Tomaten Ketchup (62 Cent, Note 2,0).
Zwei Eigenmarken in der Spitzengruppe
Damit kann man mit Bio nicht viel falsch machen – außer beim Sparen. Denn zwei Eigenmarken des Handels fallen mit der Note 2,0 qualitativ nicht hinter die Bio-Fraktion zurück. Der Kania Tomaten Ketchup von Lidl und der Ja Tomaten Ketchup von Rewe. Beide kosten aber nur 15 Cent pro 100 Milliliter (alle Preisangaben beziehen sich auf diese Menge).
Das Rewe-Produkt wird bei Feinkost Werder produziert. Dieser Hersteller ist mit drei eigenen Produkten im Test vertreten. Auch sie erreichen die Note 2, sind aber mit Preisen von 39 bis 34 Cent teurer.
Wer auf das Original aus den USA setzt, fährt dagegen nichts ganz so gut. Der Heinz Tomato Ketchup erreicht die Note 2,3 und kostet 31 Cent. Der Heinz Kids Tomato Ketchup kommt (bei 59 Cent) nur auf die Note 3,1, der Heinz Tomato Ketchup mit 50 Prozent weniger Zucker und Salz liegt (bei 45 Cent) mit der Note 3,4 auf dem letzten Platz. Beide werden von den Testern als dominant essigsäuerlich kritisiert.
272 Gramm Tomaten pro 100 Milliliter
Viel braucht es nicht für einen guten Ketchup: Wichtigste Zutat ist Tomatenmark. Hinzu kommen Zucker, Essig und je nach Rezeptur verschiedene Gewürze. Die Tomate muss aber stets im Vordergrund bleiben. Der Code of Practice für Tomatenketchup – das sind selbst auferlegte Qualitätsanforderungen europäischer Hersteller – schreibt mindestens sechs Prozent Tomatentrockensubstanz vor. Alle Produkte im Test halten das ein. Die Substanz lässt Rückschlüsse auf den Tomatenanteil zu. Hier zeigen sich Unterschiede: Der Tomatenanteil bei den Ketchups im Test reicht von 149 bis 272 Gramm pro 100 Milliliter.
Ganz ohne Zucker geht es nicht
Die Zuckergehalte im Test unterscheiden sich deutlich: Sie reichen beim klassischen Ketchup von 14 Gramm bis 27 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Einige Anbieter haben auch Produkte mit deutlich weniger Zucker. Vier Ketchups im Test enthalten Süßstoffe, drei davon auch Zucker. Werder setzt bei seinem kalorienreduzierten gar keinen Zucker zu. Da Ketchup meist nur in kleinen Portionen gegessen wird, haben die Tester den Zuckergehalt nur berechnet, nicht bewertet. Gezuckerte Getränke und fettiges Essen tragen deutlich mehr zum Zucker- und Kalorienkonto bei als Ketchup.
Kaum Probleme mit Schadstoffen
Schadstoffe trüben den Ketchup-Genuss kaum. Die Ketchups wurden im Labor auch auf Schadstoffe geprüft. Das Ergebnis ist erfreulich: Pestizide wiesen die Tester etwa in Bioprodukten gar nicht nach, in den meisten anderen nur Spuren. Auch Keime oder gentechnisch veränderte Bestandteile waren kein Problem. Schimmelpilzgifte entdeckten sie meist nur in sehr geringen Gehalten.
Beherzt schütteln oder Handkantenschlag
Der Testsieger kommt aus der Glasflasche. Doch der Fluss stockt hier oft. Das liegt an der Physik. Ketchup ist eine thixotrope Flüssigkeit. Er fließt erst durch einen Schubs wie Schütteln, denn Bewegung verringert seine Viskosität. Nach einiger Zeit verdickt er wieder. Bei Plastikflaschen, die sich quetschen lassen, übernimmt die Verpackung den Schubs. Im Test ließ sich der Ketchup damit sehr gut dosieren.
Wer Glas bevorzugt, muss die Flasche beherzt schütteln – oder es mal mit einem Handkantenschlag probieren. mm