An der Börse gab es so etwas zuletzt im Jahr 2000 auf dem Höhepunkt des Internet-Hypes: Unternehmen, die wenig Umsatz, aber umso mehr Verluste machten, gingen an die Börse, Anleger rissen sich um die Papiere. Der Kurs schoss am ersten Tag in die Höhe. Oft waren es Firmen, die auf schwer durchschaubare Geschäfte im Internet setzten. Und häufig ging es mit dem Kurs wieder schnell nach unten, die Blase platzte, die Firmen rutschten in die Pleite.
Am Donnerstag sorgte eine solche Geschichte an der US-Technologiebörse Nasdaq wieder einmal für Aufsehen. Umsatz des Unternehmens 2018: knapp 90 Millionen, Verlust fast 30 Millionen Dollar. Der Kurs schießt am ersten Handelstag um 165 Prozent nach oben. Der Börsenwert der Firma liegt bei 3,8 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank kommt auf derzeit 15 Milliarden Euro. Beyond Meat hat sich auf veganes Burgerfleisch, auf vegane Würste und Hackfleisch für Tacos spezialisiert. Basis ist ein Erbenproteinisolat und als Blutersatz Rote-Bete-Saft. Bill Gates und Schauspieler Leonardo DiCaprio unterstützen Beyond Meat.
Solche Geschichten gibt es hierzulande nicht. Schlecht läuft es für Aktienbesitzer gleichwohl auch nicht. Zwischenzeitlich kletterte der Deutsche Aktienindex Dax am Freitag auf ein neues Jahreshoch. 12 435 Punkte bedeuten ein saftiges Plus von mehr als 17 Prozent seit Jahresanfang. Und dies obwohl die Konjunkturaussichten gedämpft und die bislang vorgelegten Quartalsberichte durchwachsen sind – und von Aufbruchstimmung nichts zu sehen ist, wie Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der Dekabank sagt. „Die konjunkturellen Umfragewerte in den Industrieunternehmen dümpeln lustlos vor sich hin.“ Die Luft an den Aktienmärkten werde deutlich dünner, ist auch Michael Bissinger von der DZ Bank skeptisch. Beim Bankhaus Metzler, das prinzipiell stark auf Aktien setzt, lässt man sich nicht beirren. „Wir gehen nicht davon aus, dass eine größere Wirtschaftskrise bevorsteht“, sagt Metzler-Partner Emmerich Müller. Wahrscheinlich werde sich die Konjunktur in diesem Jahr wieder stabilisieren. Er sieht vor allem bei Aktien aus Europa und den Schwellenländern Kurspotenzial. Langfristig lohnen sich Aktien, ist Müller überzeugt. Sollte es eine Korrektur geben, will Metzler zukaufen.
Für Aktien sprechen die weiter niedrigen Zinsen. Ein Zinsschritt vom derzeitigen Rekordtief von null Prozent durch die Europäische Zentralbank (EZB) liegt in weiter Ferne. ROLF OBERTREIS