Mehr Risiken als Chancen

von Redaktion

Nichts für schwache Nerven: Auch in der ersten Juni-Woche spielen die Aktienkurse Jo-Jo. Auf zwischenzeitlich 11 620 Punkte rutscht der Deutsche Aktienindex Dax, am Ende der Woche sind es wieder mehr fast 12 100 – sogar rund drei Prozent mehr als Ende Mai.

Immer dramatischer steht es um die Aktie der Deutschen Bank. Am Montag stürzt sie auf nur noch 5,80 Euro – ein neues Rekord-Tief. Auch das belastet den Dax. Kaum für Rückhalt sorgt die Tatsache, dass offenbar weder Bankchef Christian Sewing noch seine Vorstands-Kolleginnen und Kollegen seit 2015 auch nur eine Aktie der eigenen Firma ins private Depot gelegt haben. Trauen die sich selbst nicht zu, dass sie das Schiff wieder flott kriegen? Bei Siemens haben die Top-Manager allein 2018 für 6,3 Millionen Euro privat Aktien des Unternehmens gekauft. Bei der Deutschen Börse für 5,4 und bei BASF für 2,9 Millionen Euro.

Vor allem die Handelskonflikte zwischen den USA und China und den USA und Europa lasten auf Aktien. In den USA zeigt die Kritik aus dem Unternehmerlager an Präsident Trump keine Wirkung. Jetzt droht er auch Mexiko mit Zöllen. Mittlerweile belastet Trumps Politik auch die deutsche Wirtschaft.

Die Bundesbank kappt ihre Wachstumsprognose für 2019 wegen der schwächeren Auslandsnachfrage auf nur noch 0,6 Prozent. „Aus heutiger Sicht überwiegen die Abwärtsrisiken“, sagt Präsident Jens Weidmann. Erst im Jahr 2020 soll es mit 1,2 Prozent wieder besser laufen.

Ähnlich skeptisch ist die Europäische Zentralbank (EZB). Sie schiebt eine mögliche Zinserhöhung um bis mindestens Mitte 2020. Es dürfte eher 2021 werden. Die US-Notenbank Fed erwägt mittlerweile statt einer Zinserhöhung eine Senkung. Die Börsianer überzeugt das nicht, auch wenn die EZB, sagt DekaBank-Chef-Ökonom Ulrich Kater, für Halt sorge.

Dass der Dax zum Wochenschluss über 12 000 Punkte klettert, kann die Skepsis nicht verdrängen. Schließlich hat das Plus auch damit zu tun, dass angesichts von Quasi-Nullzinsen auf Spar- und Tagesgeldkonten Alternativen zu Aktien fehlen. Markus Wallner von der Commerzbank sieht nicht nur deshalb weiter Chancen für die Börse. Die Bewertung sei immer noch recht moderat. „Die selektive Aktienauswahl bleibt aber von großer Bedeutung.“

Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen, bislang sehr optimistisch, wird vorsichtiger. Seine Dax-Prognose für die Jahresmitte reduziert er um 400 auf 12 300 Zähler, für das Jahresende um 200 auf 13 000 Punkte. Auch Michael Bissinger von der DZ Bank sieht kurzfristig mehr Risiken als Chancen. Von einem „Spannungsverhältnis zwischen transpazifischer Handelsverunsicherung und geldpolitischer Lockerung“ spricht Robert Halver von der Baader Bank. ROLF OBERTREIS

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