Anleger suchen sichere Häfen – Gold gefragt

von Redaktion

„Zum Verkaufen zu spät, zum Kaufen noch zu früh“, umschreibt Robert Halver von der Baader Bank die durchwachsende Stimmung an der Börse. Händler und Anleger sind verunsichert. Immerhin hat sich der Deutsche Aktienindex Dax in der zweiten Juni-Woche deutlich über der Marke von 12 000 Punkten gehalten.

Das vorläufige Ende des Handelsstreits zwischen den USA und Mexiko ist nur ein sehr kleiner Hoffnungsschimmer. Überlagert wird er vom Konflikt zwischen den USA und China. Ob sich der Mann im Weißen Haus vom Brandbrief von 100 großen US-Unternehmen zum Einlenken bewegen lässt, ist zweifelhaft. „Nach wie vor hängt ein möglicher Handelskrieg wie ein Damoklesschwert über den Märkten. Angst oder Panik ist unter den Anlegern jedoch nicht festzustellen“, sagt Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen.

Viele Beobachter schauen auch auf die US-Notenbank Fed. Während die Europäische Zentralbank (EZB) eine Erhöhung des Leitzinses frühestens auf die zweite Jahreshälfte 2020 verschoben hat, signalisiert die Fed angesichts der eingetrübten Konjunkturaussichten ihre Bereitschaft zu Zinssenkungen. Allerdings steht er dort bei 2,5 Prozent. Dass Trump offen eine Zinssenkung fordert, lässt die Fed zögern. Sie will nicht in Verdacht kommen, dass sie sich vom Präsidenten einspannen lässt.

Als Risiko wabert der Konflikt zwischen den USA und dem Iran auch an den Finanzmärkten. Attacken auf Öltanker in der Straße von Hormus treiben zudem den Ölpreis. In Europa verunsichern die hohe Verschuldung Italiens und die Anti-Euro-Politik des rechtspopulistischen Innenministers. Der ignoriert auch die Kritik des EZB-Präsidenten – seines Landsmannes Mario Draghi.

Skeptisch ist DZ-Banker Christian Kahler angesichts der „anhaltenden politischen Unsicherheiten und der damit verbundenen Wachstumsverlangsamung“. Den Dax sieht er Ende 2019 bei nur noch 11 500 Zählern. Bislang hatte er auf 12 000 gesetzt. Die Unsicherheit zeigt sich im Rendite-Rekordtief zehnjähriger Bundesanleihen. Am Freitag rutscht sie auf minus 0,30 Prozent. Der Goldpreis steigt auf ein neues Jahreshoch. Anleger suchen sichere Häfen.

An weiter erhöhte Schwankungen an der Börse werden sich Anleger gewöhnen müssen, glaubt Robert Greil vom Bankhaus Merck Finck. Daran ändert wenig, dass Alternativen zu Aktien angesichts von mickrigen Zinsen für Sparanlagen rar bleiben. Noch lange. ROLF OBERTREIS

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