Die Bauzinsen eilen derzeit von einem Rekordtief zum nächsten. Im Vergleich zum Vormonat haben sich die Zinsen im Schnitt um mehr als zehn Basispunkte verbilligt. Seit Jahresanfang beträgt das Minus – je nach Laufzeit – sogar 40 bis 50 Basispunkte. Hauptgrund für den Rückgang sind die deutlich rückläufigen Renditen bei zehnjährigen Bundesanleihen, die den Takt für die Bauzinsen vorgeben. Denn die Kreditinstitute refinanzieren ihre Immobilienkredite überwiegend durch Pfandbriefe. Und für diese Papiere dient die zehnjährige Bundesanleihe als Benchmark. Die Renditen haben am Freitag ein neues Allzeittief markiert bei minus 0,40 Prozent.
Kleiner Unterschied, große Ersparnis
Laut Biallo-Baugeld-Index wird aktuell für ein Baudarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung im Schnitt ein Effektivzins von 0,95 Prozent pro Jahr verlangt (am Jahresanfang waren es noch 1,37 Prozent). Für ein 15-jähriges Darlehen liegen die Zinsen bei 1,32 Prozent (Jahresanfang: 1,78 Prozent), bei 20 Jahren Laufzeit werden im Schnitt 1,52 Prozent fällig (Jahresanfang: 2,01 Prozent).
Der Unterschied wird an folgendem Beispiel deutlich: Wer jetzt einen Baukredit von 300 000 Euro mit zehnjähriger Zinsbindung aufnimmt, spart bei einer Anfangstilgung von 3,5 Prozent über die Laufzeit rund 10 000 Euro an Zinskosten, als wenn er den Kredit zum Jahresanfang abgeschlossen hätte. Doch es geht noch günstiger: Laut Baufinanzierungsvergleich gibt es ein Baudarlehen in Höhe von 300 000 Euro mit zehnjähriger Zinsbindung, 60 Prozent Beleihung und 3,5 Prozent Anfangstilgung bereits für 0,50 Prozent effektiv pro Jahr – und zwar bei der Degussa Bank, Hypovereinsbank sowie der Sparda-Bank Nürnberg.
„Potenzielle Häuslebauer sollten die Gunst der Stunde nutzen“, sagt Horst Biallo, Herausgeber von biallo.de. „Denn viel günstiger wird es wohl kaum, zumal die Mieten und Immobilienpreise mittelfristig weiter nach oben klettern dürften. Eine nachhaltige Entspannung ist hier jedenfalls nicht in Sicht.“
Laut Statistischem Bundesamt gibt es kräftige Preisaufschläge nicht mehr nur in Ballungsräumen, sondern zunehmend auch in ländlichen Gegenden. Seit Ende 2015 haben sich Wohnungen und Häuser im Bundesschnitt um 22 Prozent verteuert. In den sieben Metropolen (darunter München) waren es sogar 41 Prozent für Wohnungen und 36 Prozent für Häuser.
Bei Bonität am besten Volltilgung
Erst-Kreditnehmern empfiehlt er – entsprechende Bonität vorausgesetzt – ein sogenanntes Volltilgerdarlehen. „Damit können Häuslebauer die historisch niedrigen Zinsen über die gesamte Laufzeit festzurren und das Zinsänderungsrisiko ausschalten. Schließlich gewähren Volltilgerdarlehen hohe Planungssicherheit, da Zins- und Tilgungsraten feststehen, bis der Kredit abbezahlt ist.“ Die besten Angebote für ein Volltilgerdarlehen über 300 000 Euro mit 60 Prozent Beleihung und 20 Jahren Laufzeit liefern laut Biallo derzeit die Sparda-Bank Nürnberg (1,06 Prozent), die Hypovereinsbank (1,06 Prozent) und die Deutsche Bank (1,07 Prozent). „Wessen Baufinanzierung in den nächsten 36 Monaten ausläuft, kann sich das aktuelle Zinsniveau mit einem sogenannten Forward-Darlehen für die Anschlussfinanzierung sichern“, rät Biallo.
„Allerdings sollten Verbraucher die Angebote genau vergleichen und durchrechnen. Denn je weiter das Darlehen in der Zukunft liegt, desto höher fällt der Zinsaufschlag aus.“ Dieser kann je nach Anbieter zwischen null und 0,05 Prozent pro Monat betragen. Einige Anbieter verzichten sogar in den ersten Monaten bis zur Abnahme auf einen Zinsaufschlag.