Die Rendite von Bundesanleihen sackt auf ein Rekordtief, die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte die Geldpolitik weiter lockern und den Zins für Einlagen der Banken weiter ins Negative drücken – von minus 0,4 auf minus 0,6 Prozent, vermutet Commerzbank-Ökonom Michael Schubert. In den USA aber schwindet die Zinssenkungsfantasie. Der Arbeitsmarkt (und damit die Konjunktur) laufen besser als erwartet. Das Umfeld für Aktien bleibt aber günstig. Schließlich werfen Sparbücher und Tagesgeldkonten weiter nichts ab. Die Folge: Der Deutsche Aktienindex Dax legt zu, steigt im Lauf der Woche auf ein neues Jahreshoch von 12 631 Punkten, bevor ihm zum Wochenschluss die Luft ausgeht.
„Aktien sind inmitten einer Kursrallye“ sagt Alexander Lukas von der Berliner Weberbank. Dennoch: Die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China und den USA und Europa sind ungelöst. Aktien seien moderat bewertet, meint Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen. Alles bewege sich in angemessenem Rahmen. Aber Reinwand fürchtet, „dass sich allmählich Sorglosigkeit breit macht“. Auch bei der DZ Bank sieht man Börsianer schon auf dem Weg dahin. „Die Bewertung der Aktien bleibt erhöht, die Anfälligkeit für Kursrücksetzer erhalten“, sagt Stratege Michael Bissinger. Grund: Die Unternehmensgewinne hinken hinterher. Das könnten die Quartalsberichte belegen, die in den nächsten Wochen präsentiert werden.
Die DZ-Banker erwarten ein schwieriges zweites Börsenhalbjahr, den Dax Ende 2019 nur bei 11 500 Punkten. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, sieht denn auch den Aktienmarkt in der Zwickmühle – zwischen enttäuschender Konjunkturentwicklung und immer weniger gefüllten Auftragsbüchern einerseits und sinkenden Notenbankzinsen andererseits. Viele Beobachter erwarten, dass Christine Lagarde als künftige Präsidentin der EZB den lockeren Kurs fortsetzen wird. Das käme Aktien zupass. Die Auftragsbücher der Unternehmen aber werden sich nicht allein durch noch niedrige Zinsen füllen. ro