Schweizer Aktien im Depot: Was tun?

von Redaktion

Rote Karten für Schweizer Aktien in der EU. Aufgrund eines Streits zwischen der Schweiz und der EU erkennt die Schweiz den Handel an den EU-Börsen nicht mehr an. Wer nun Schweizer Wertpapiere verkaufen will, kann das nur über Umwege und zu teuren Bedingungen tun.

VON ROLF OBERTREIS

Es ist ein eher bizarrer Streit in Zeiten freier Kapitalmärkte in Europa. Und er hat viele Aktienanleger überrascht, die auch Papiere Schweizer Unternehmen in ihrem Depot haben und verkaufen wollen oder kaufen wollen. Seit Anfang Juli können Schweizer Aktien an Börsen in der EU nicht mehr gehandelt werden, sowohl von Privat- als auch von Großanlegern.

Allein an der Frankfurter Börse betrifft dies 185 eidgenössische Aktien. Möglich ist der Handel zu erheblich höheren Kosten nur noch über die Börse in Zürich. Immerhin haben sich mittlerweile kleine Handelshäuser darauf eingestellt und erlauben für Kunden etlicher Banken den außerbörslichen Handel.

Hintergrund ist die nicht erfolgte Ratifizierung des Rahmenabkommens zwischen der Schweiz und der EU über den gegenseitigen Marktzugang, das seit November vergangenen Jahres unterschriftsreif ist. Doch die Regierung in Bern weigert sich aus innenpolitischen Gründen. Offenbar gibt es massive Kritik daran, dass die Schweiz mit dem Abkommen auch die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs anerkennen würde.

Die EU wiederum wollte Druck machen und befristete die sogenannte Äquivalenzregel und damit die Anerkennung der gegenseitigen Börsen und der jeweiligen Vorschriften auf Ende Juni. Die Finanzmarktaufsicht in der Schweiz reagierte mit Gegenmaßnahmen und erkennt den Handel mit Schweizer Aktien an Börsen in der EU nicht mehr an, entzieht ihm damit die Grundlage.

Sparpläne werden einfach gelöscht

„In der Konsequenz können viele Schweizer Aktien entweder gar nicht mehr oder nur zu extrem hohen Kosten ge- und verkauft werden“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Bei der ING DiBa etwa geht gar nichts mehr, wie ihre Kunden Anfang Juli in einem Schreiben erfuhren. „Ihre Schweizer Aktien können Sie aktuell nicht aus Ihrem Direkt-Depot verkaufen. Käufe sind ebenfalls nicht möglich. Das gilt auch für Aktiensparpläne. Die werden deshalb gelöscht.“

Kurzfristig sei nicht mit einer Lösung zu rechnen. Für die Kunden bleibe nur die Möglichkeit, die Aktien an einen Anbieter zu übertragen, der direkt in der Schweiz handele. Dazu müssten die Kunden ein Depot bei einer anderen Bank, Sparkasse oder Direkt-Bank eröffnen, die den Handel über Zürich (oder die USA) zumindest anbietet. Allerdings müssen auch dann die Aktien erst in die Schweiz verlagert werden, bevor sie verkauft werden können.

Wer seine Schweizer Aktien jetzt verkaufen will oder muss, für den wird es nach Angaben von Kurz erheblich teurer. „Die Transaktionskosten sind um ein Vielfaches höher als beim Handel über eine EU-Börse.

Statt 9,95 Euro mehr als 100 Euro Gebühr

Das kann je nach Handelsvolumen durchaus das Zehnfache sein.“ Während etwa bei der Consorsbank eine Order ohne Börsengebühren mindestens 9,95 Euro kostet, seien es, so Consorsbank-Sprecher Dirk Althoff, an der Börse Zürich mindestens 54,95 Euro. Dazu kämen 54,49 Euro für den sogenannten Lagerstellenwechsel – also insgesamt rund 110 Euro.

Immerhin bieten viele Institute mittlerweile auch als Reaktion auf die jüngsten Entwicklungen den außerbörslichen Handel über Handelshäuser wie Lang & Schwarz oder Baader an. Das sei erheblich günstiger, sagt Althoff.

Wer nicht unbedingt verkaufen muss, kann abwarten und hoffen, dass der bizarre Streit in absehbarer Zeit beigelegt wird. Wenigstens, sagt DSW-Sprecher Kurz, laufen die Dividendenzahlungen für Schweizer Aktien normal weiter.

Für die Börse in Frankfurt ist der Handelsstopp für eidgenössische Aktien im übrigen zu verkraften. Das Handelsvolumen lag 2018 bei 2,45 Milliarden Euro. Das ist ein mehr als überschaubarer Teil des gesamten Handelsvolumens von 1,61 Billionen im vergangenen Jahr.

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