Ferngläser sollen die Natur näher bringen. Umso tragischer ist das Bild, das die am häufigsten verkauften Ferngläser im Test abgeben: 16 von 17 Ferngläsern sind erheblich mit Schadstoffen belastet – darunter krebserregende Substanzen. Die Stiftung Warentest hat für ihren Test 17 Ferngläser aus dem verkaufsstarken Preisbereich von 18 bis 500 Euro ausgewählt und anonym im Handel gekauft. Ergebnis: 16 von 17 Ferngläsern sind erheblich mit Schadstoffen belastet, sie kassierten dafür ein mangelhaft.
Wüster Mix aus Giftstoffen
Die Tester fanden einen wüsten Mix aus Chlorparaffinen, Phthalaten und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, kurz: PAK. In einer Konzentration, die sie nach Jahren der Umweltdiskussion nicht mehr erwartet hätten. Einige der gefundenen Substanzen sind fortpflanzungsgefährdend oder krebserregend.
Ferngläser zählen zu den Produkten mit längerem Hautkontakt. Umso wichtiger ist es laut Stiftung Warentest, dass Augenmuscheln und Gehäuse aus schadstofffreien Kunststoffen bestehen, denn die Schadstoffe können direkt über die Haut in den Körper gelangen.
Die Experten der Stiftung Warentest fanden ungewöhnlich viel PAK über dem Grenzwert für das GS-Zeichen. Darunter Naphthalin, das unter Krebsverdacht steht. Bei zwei Fernglas-Modellen waren die Trageriemen stark mit krebserregenden Schadstoffen belastet.
Nur Canon ist schadstofffrei
Nur ein Fernglas von Canon (10X30 IS II) zeigt, dass es anders geht. Es enthält keine kritischen Schadstoffe und bietet gute optische Eigenschaften. Das Objektiv ist klein und funktioniert deshalb am besten bei gutem Tageslicht. Es kostet 460 Euro. Alle 16 anderen Ferngläser im Test sind mangelhaft.
Beste optische Eigenschaften haben Steiner Skyhawk und Zeiss 10×20. Ihre Tragegurte sind mit PAK belastet. Die Gurte lassen sich aber entfernen.
Vier Ferngläser nicht wasserdicht
Vier Ferngläser im Test wären auch ohne Schadstoffe nicht mehr zu retten: Als wasserdicht deklariert, haben sie die Tauchprüfung nicht überstanden. Es handelt sich um Ferngläser der Firmen Nikon, Bresser, Braun und Olympus.
Die Stiftung Warentest hat die Anbieter der belasteten Ferngläser um Stellungnahme gebeten. Vanguard nimmt die Schadstoffbelastung ernst und geht mit positivem Beispiel voran: Kunden können das Spirit XF 1042 gegen Vorlage des Kaufbelegs umtauschen oder bekommen den Preis erstattet.
Steiner und Zeiss tauschen die PAK-belasteten Tragegurte des Steiner Skyhawk 4.0 10×42 und des Zeiss Terra ED 10×42 kostenlos um. Braun verspricht den Besitzern des Binocular 10×25 zumindest, eine Lösung zu finden.
Bresser, Eschenbach, Leica, Nikon, Minox und Olympus bieten keinen Umtausch und keine Rücknahme an. Steiner und Zeiss bieten Kunden für ihre Modelle Steiner Safari Ultrasharp 10×26 und Zeiss terra ED Pocket 10×25 keinen Umtausch an. Die Firma Apeman hat nicht geantwortet. Mit dem BC100 verkauft sie eines der am stärksten belasteten Ferngläser im Test. mm