Palmöl birgt Gesundheitsgefahren

von Redaktion

Beim Stichwort Palmöl denken viele sofort an Raubbau an der Natur und das Abholzen von Regenwald. In der Tat hat der Anbau von Ölpalmen mit einer Jahresproduktion von über 70 Millionen Tonnen Öl enorme ökologische Konsequenzen. Weniger bekannt sind dagegen die gesundheitlichen Fragen, die der Verzehr von palmölhaltigen Lebensmitteln aufwirft. Denn bei keinem anderen Pflanzenfett bilden sich bei der Raffination so hohe Mengen an kritischen Fettschadstoffen wie bei Palmöl.

Durch verbesserte Produktionsbedingungen lassen sich diese zwar reduzieren, bislang aber nicht vollständig vermeiden. Zu diesen Schadstoffen zählt das krebserregende und erbgutschädigende Glycidol. Erst seit vergangenem Jahr gibt es einen EU-weiten Grenzwert für Glycidol in Pflanzenölen. Für einen weiteren Schadstoff mit dem klangvollen Namen 3-Monochlorpropandiol-Fettsäureester, kurz 3-MCPD, fehlt ein verbindlicher Grenzwert bislang. Auch 3-MCPD steht im Verdacht, krebserregend zu wirken. Die zuständigen EU-Behörden haben für diese Substanz eine täglich duldbare Aufnahmemenge festgelegt, die sie als sicher erachten. Das Problem dabei: dieser Wert kann im Alltag, besonders bei Kindern, leicht überschritten werden. Dies zeigen die Ergebnisse einer Herstellerbefragung der Verbraucherzentrale Bayern. Die Unternehmen gaben dabei Auskunft, weshalb sie Palmöl in ihren Produkten verwenden und konnten Stellung zu den problematischen Fettschadstoffen beziehen.

Fakt ist: Palmöl steckt in zahllosen Lebensmitteln, sei es in Schokoaufstrichen, Gebäck und Keksen, Frühstückscerealien, Fertigsuppen oder salzigen Knabber–snacks. Vieles davon wird besonders von Kindern gerne gegessen. Gleichzeitig erreichen und überschreiten Kinder wegen ihres geringen Körpergewichts schnell die empfohlenen Höchstmengen. Es sind also die Eltern gefragt, Zutatenlisten zu studieren und ihren Kleinen palmölfreie Alternativen schmackhaft zu machen.

Denn Palmöl wird auch künftig weite Verbreitung in verarbeiteten Lebensmitteln finden. Das liegt vor allem an seinen technologischen Eigenschaften. Es ist lange haltbar, geschmacksneutral und verfügt über ein einzigartiges Schmelzverhalten. Kein anderes Pflanzenöl ist bei Raumtemperatur fest und schmilzt erst bei über 30 Grad. Dies machen sich Lebensmittelhersteller zunutze, um ihren Produkten die gewünschte Konsistenz und ein angenehmes Mundgefühl zu verleihen. Dazu ist Palmöl trotz der Umweltdebatte preisstabil und gut verfügbar. Vielleicht auch ein Grund, weshalb sich mancher Hersteller mit Rezepturänderungen schwer tut.

Umso wichtiger wäre es, so bald wie möglich wie für Glycidol auch einen Grenzwert für 3-MCPD einzuführen. Denn Verbraucherinnen und Verbraucher können zwar anhand der Zutatenliste erkennen, ob ein Lebensmittel Palmöl enthält. Sie erfahren jedoch nichts darüber, in welchen Mengen und in welcher Qualität es im Produkt vorkommt.

Artikel 4 von 6