China droht mit neuen Zöllen auf US-Produkte, Boris Johnson stößt mit seiner Forderung auf Brexit-Nachverhandlungen in Berlin und Paris auf Granit, in Hongkong ist die Lage angespannt, in Italien unklar. Das Umfeld für den Aktienmarkt bleibt schwierig, die Unsicherheit groß. Experten sind skeptisch und vorsichtig. „Die Unsicherheit dürfte bis in den Herbst hinein anhalten, da sich bisher noch keine wirkliche Lösung der für die Finanzwelt zuletzt brisanten Themen abzeichnet“, sagt Robert Greil, Chef-Stratege beim Bankhaus Merck Finck.
Vor diesem Hintergrund erwartet auch Andreas Hürkamp von der Commerzbank eine Fortsetzung des Seitwärtstrends im Deutschen Aktienindex Dax in den nächsten Monaten zwischen 11 200 und 12 400 Zählern.
In der abgelaufenen Woche hat sich der Dax zwar stabilisiert und ist zwischenzeitlich bis auf 11 850 Zähler gestiegen, bevor es am Freitag wieder weniger als 11 700 waren. Aber die deutliche Talfahrt der vergangenen Woche hat sich nicht fortgesetzt.
„Wenigstens befindet sich die Konjunktur nicht im freien Fall“, sagt Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der DekaBank. Die Situation sei nicht vergleichbar mit der Lage bei der Finanzkrise vor zehn Jahren. In Deutschland könnte die Entwicklung langsam ihren Boden finden. „Die Börsen quittieren dies mit Erleichterung“. Robert Halver von der Baader Bank sieht aber nur eine „nervöse Stabilisierung“. Die Berichte der Unternehmen für das zweite Quartal waren meist ernüchternd. Die Folge: Die Erwartungen für die Gewinne sinken, die Prognosen für die Dividenden, die im nächsten Frühjahr für 2019 gezahlt werden, ebenfalls.
Erstmals hat der Bund in dieser Woche eine 30-jährige Anleihe mit einem Zins von Null auf den Markt gebracht. Wer sie kauft und bis 2050 hält, bekommt sein Geld nominal zwar komplett zurück. Real aber macht er ein deutliches Minus, weil die Inflation an seinem Einsatz geknabbert hat. Dass mittlerweile auf Sparguthaben sogar Minuszinsen drohen verleitet auch kaum einen Anleger zum Kauf von Aktien. Zumal die Dividendenpapiere längst nicht mehr als günstig bewertet gelten. „Sie handeln über dem historischen Durchschnitt“, sagt Michael Bissinger von der DZ Bank.
Unterstützung für den Aktienmarkt kommt weiter von den Notenbanken. Die US-Notenbank Fed wird, glauben Beobachter, den Leitzins in diesem Jahr wohl noch zwei Mal senken. Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte am 12. September den Einlagezins für Banken von derzeit minus 0,4 Prozent noch weiter ins Negative drücken. Das aber deutet auf Krise und Rezession. Was Börsianern kaum gefällt. ROLF OBERTREIS