Der Deutsche Aktienindex Dax zum Wochenschluss bei fast 12 500 Punkten und damit so hoch wie seit Ende Juli nicht mehr – der Europäischen Zentralbank (EZB) und Präsident Mario Draghi sei dank. Mit der noch stärkeren Lockerung der Geldpolitik durch einen noch tiefer ins Negative gedrückten Einlagezins und der Wiederaufnahme des Kauf-Programms für Anleihen der Euroländer ab November bekommen Aktien neuen Rückenwind. Die EZB macht mit diesen Entscheidungen klar: Die Zinsen bleiben noch auf Jahre im Keller. Für Anleihen und für Tagesgeld gibt es nominal praktisch keine Zinsen mehr. Nach Abzug der Inflationsrate verlieren die Sparer Geld. Mehr noch: Die Banken werden den noch höheren Strafzins, den sie für Einlagen bei der EZB zahlen müssen, an ihre Kunden weitergeben. Wenn nicht als Negativzins, dann über höhere Gebühren.
Die Suche nach Zinserträgen werde durch die Entscheidung weiter erschwert, stellt Jan Nießen von der Weberbank fest. „Somit wird auch die Notwendigkeit größer, ein höheres Risiko einzugehen“. Wenn Anleger noch eine Rendite erzielen wollen. Da kommen dann Aktien ins Spiel.
Nur kurz zeigten die Kurse nach der EZB-Entscheidung am Donnerstag deutlich nach oben, ein Kursfeuerwerk bleibt aus. Auch Händler und Börsianer sehen die zunehmende Gefahr von Blasen. Vor allem aber blicken sie auf das unsichere Umfeld. Im Handelsstreit zwischen den USA und China deutet sich zwar eine gewisse Entspannung an, aber gelöst ist er längst nicht. Die Konjunkturaussichten bleiben gedämpft. Und niemand weiß, wie das Theater um den Brexit ausgeht. Immerhin hat Italien wieder eine Regierung, die mehr Realismus an den Tag legt und sich Europa zugewandt zeigt. „Das Glas ist halb voll“, umschreibt Robert Halver von der Baader Bank denn auch die Stimmung.
Immerhin dürfen Aktienbesitzer trotz des unsicheren Umfeldes und der vermutlich sinkenden Unternehmensgewinne für 2019 mit durchaus ansehnlichen Dividenden rechnen, sagt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Für die 30 Dax-Konzerne erwartet er Ausschüttungen von insgesamt 38,3 Milliarden Euro – rund 150 Millionen Euro mehr als für 2018. Die Dividendenrenditerendite läge dann bei 3,3 Prozent, deutlich über der von Unternehmensanleihen, die, so schätzt Hürkamp, nur bei 0,5 Prozent liegen dürfte.
Für eine gewisse Zuversicht sorgt auch das schwäbische Technologieunternehmen Teamviewer. Die Firma aus Göppingen will Ende September an die Börse gehen und zwischen 1,4 und 2,3 Milliarden Euro erlösen. Es wäre der größte Börsengang in Deutschland in diesem Jahr und der größte seit dem IPO von Knorr-Bremse im Oktober 2018. ROLF OBERTREIS