Sie sehen nicht schön aus und riechen nicht gut: Hundehaufen sind vielen Spaziergängern ein Gräuel. Wer solch eine „Tretmine“ übersieht, muss das Profil seiner Schuhsohlen akribisch putzen, um den Gestank loszuwerden. Hundekot gehört in den Restmüll und nicht in die Natur. Das sehen auch Kommunen so und verteilen vielerorts umsonst Gassibeutel – aus Plastik. Selbst die liegen manchmal prall gefüllt in Parks rum. Doch auch in der Müllverbrennung stellt sich die Frage: Wie öko ist das?
Für den Menschen gefährliche Erreger
Doch selbst, wenn Bellos Hinterlassenschaft in einem Beutel gesammelt wird, landet dieser oft zugeknotet unter Büschen oder am Wegesrand. Dabei gehört Hundekot – verpackt oder nicht – ausschließlich in den Restmüll. Das Münchner Baureferat erklärt dazu, Hundekot enthalte mitunter Parasiten und Krankheitserreger wie Borrelien, Salmonellen, Spul- und Bandwürmer, die auch Menschen gefährlich werden können.
Zwar entstehe sowohl bei der Kompostierung als auch bei der Vergärung von Bioabfällen Wärme – diese reiche aber nicht aus, um die Erreger im Hundekot abzutöten. Sie könnten dann mit dem fertigen Kompost in privaten Gärten, auf landwirtschaftlichen Flächen oder in öffentlichen Grünanlagen verteilt und direkt auf Menschen und Tiere übertragen werden oder über Pflanzen in die Nahrungskette gelangen.
Dass sich das Münchner Baureferat überhaupt zu dem Thema zu Wort meldet, liegt an einem weiteren Grund: Mehreren Abgeordneten im Stadtrat stieß in Zeiten von Müllsammelaktionen in Gewässern und Plastiktütenverbot an Supermarktkassen (von dem Gassibeutel nicht betroffen sind) auf, dass die in München verteilten roten Tüten mit einer Dicke von bis zu 0,015 Millimetern aus Kunststoff sind. Recyclingkunststoff immerhin. Doch Initiatorin Julia Schönfeld-Knor fragte sich: „Wenn wir beim Einkaufen Plastiktüten vermeiden, warum nicht auch beim Hundekot?“
Die Behörde listet nun genau auf, warum die roten Beutel am besten geeignet seien: „Sie sind im Unterschied zu Tüten aus anderen Materialien sehr dünn, sodass viele Tüten in einen Spender passen, jedoch hinreichend reißfest, weichen nicht durch, sind kostengünstig und stellen aufgrund der stofflich und energetisch sinnvollen Verwertung von Produktionsresten die derzeit ökologisch nachhaltigste Lösung dar.“
Tüten aus Papier oder Pappmaterial weichten dagegen bei feuchtem Wetter und nach Gebrauch auf oder könnten reißen. „Zudem müssten die Tütenspender aufgrund der Materialdicke wesentlich häufiger befüllt werden.“
Auch das Umweltbundesamt empfehle für das Sammeln von Tierexkrementen Beutel aus recycelten Kunststoffen.
Es gibt ökologische Alternativen
Doch auch die landen oft in der Natur. Bis sie da zerkleinert sind, vergingen bei herkömmlichen Beuteln Jahrhunderte, erklärt Arne Krämer, Geschäftsführer von The Sustainable People in Hamburg. Mit seinem Unternehmen bietet er biologisch abbaubare Hundekotbeutel an – bei deren Produktion im Vergleich zu Polyethylen zudem Erdöl und CO2 eingespart werde, da sie mit Maisstärke hergestellt werden, sagt er.
„Es gibt eine klare Zunahme von Städten und Privatpersonen, die anfragen“, so Krämer. Sogar über die Grenzen Deutschlands.