Man kennt das Schlagwort von der Zweiklassenmedizin – der vermuteten oder tatsächlichen Bevorzugung von Privatversicherten gegenüber Patienten in der gesetzlichen Krankenversicherung bei der Terminvergabe beim Arzt, bei der Ausstattung der Wartezimmer, bei der Anwendung modernster und teurer Behandlungsmethoden.
Die Stiftung Warentest stellt in ihrer aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“ über die Tarife Privater Krankenversicherungen (PKV) unumwunden fest, dass diese schon „deutlich höhere Leistungen“ als die Gesetzlichen bieten. Aber: Man muss sich diese Versorgung auch leisten können. Die Einstiegstarife für junge Leute mögen verlockend günstig sein. Doch Vorsicht ist geboten. Denn mit zunehmendem Alter steigen die Beiträge – und eine Rückkehr in die gesetzliche Kasse ist schwierig bis unmöglich.
Wie sind die Deutschen derzeit krankenversichert?
2019 waren in der Bundesrepublik rund 73 Millionen Menschen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) – rund 56,8 Millionen als beitragszahlende Mitglieder und 16,3 Millionen beitragsfrei, zum Beispiel Familienangehörige. Die privaten Krankenversicherungen (PKV) zählten einen Bestand von 8,74 Millionen Vollversicherten.
Für wen sind private Krankenversicherungen geeignet?
Drei Zielgruppen nennen die Tester: Zum einen die meisten Beamten, weil für sie andere Regeln gelten. Angestellte müssen mindestens über ein Jahreseinkommen von 60 750 Euro verfügen. Selbstständige und Freiberufler dürfen sich unabhängig von ihrem Einkommen privat versichern – sollten sich das laut „Finanztest“ aber gut überlegen.
Warum wird die PKV für Beamte als vorteilhaft eingeschätzt?
Anders als andere Kunden müssen sie kein Mindesteinkommen vorweisen. Sie dürfen sogar eine Vorerkrankung haben, die normalerweise zu einer Ablehnung führen würde. Allerdings ist ein Risikozuschlag von bis zu 30 Prozent möglich. Statt des sonst üblichen Arbeitgeberzuschusses zahlt der Dienstherr einen Teil der Gesundheitskosten als Beihilfe, in den meisten Bundesländern 50 Prozent. Beamte brauchen also dann nur eine Versicherung für den Rest der Heilkosten. Pensionisten bekommen meist sogar eine Beihilfe von 70 Prozent. „Finanztest“ rät lediglich Beamten der unteren Besoldungsgruppen und Familien mit mehr als drei Kindern, zu prüfen, ob die Gesetzliche für sie nicht vorteilhafter ist.
Ist eine Rückkehr in die Gesetzliche möglich?
Für Beamte ist sie ausgeschlossen, ab dem Alter von 55 auch dann, wenn sie den Staatsdienst verlassen und eine versicherungspflichtige Anstellung finden. Das Höchstalter 55 für ein Umschwenken in die GKV ist auch Angestellten nur möglich, wenn das PKV-Mindesteinkommen unterschritten wird.
Was müssen Angestellte und Selbstständige, die Kinder wollen oder haben, beachten?
Jedes Kind benötigt einen privaten Vertrag, im günstigsten Fall kostet der 100 bis 200 Euro im Monat.
Worauf soll man bei der Wahl einer PKV achten?
Nicht nur auf den Preis, sondern vor allem auf das, was dafür geboten wird. Möglich sind höhere, aber auch geringere Leistungen als in den Gesetzlichen – wo sie bei allen Kassen vorgeschrieben und daher weitgehend gleich sind. Achtung: Beim PKV-Eintritt werden Fragen zum Gesundheitszustand gestellt, und sie sollten unbedingt wahrheitsgetreu beantwortet werden. Für (auch versehentlich) falsche Angaben kann der Versicherer nachträglich Risiko-Zuschläge festsetzen. Verträge können nicht mehr verändert werden, wenn eine Erkrankung eintritt. Die Tester empfehlen einen umfassenden Schutz – alle von ihnen untersuchten Angebote der 30 Privaten Kassen bieten bessere Leistungen als die GKV, beispielsweise im Krankenhaus. Zweibettzimmer und Chefarztbehandlung, stationäre Psychotherapie, Arzt- und Zahnarzthonorare bis zum 3,5-fachen Satz, Erstattung von Zahnbehandlungen bis 90 Prozent… Das sind die unleugbaren Vorteile der privaten Krankenversicherung.
Welche Tarife sind empfehlenswert?
„Finanztest“ hat Tarife für Beamte, Selbstständige und Angestellte untersucht. Hier jeweils die besten drei Angebote: . Beamte
Note „sehr gut“ (1,0): Concordia (BV20, BV 30)
Note „sehr gut“ (1,5): LVM (AB 20E, AB 30)
Note „gut“ (1,7): Huk-Coburg (B 501)
. Selbstständige
Note „gut“ (1,6): Signal Iduna (Exklusiv 2)
Note „gut“ (1,9): Provinzial Hannover (VKSu)
Note „gut“ (1,9): Signal Iduna (Exklusiv 2, andere Krankengeldregelung)
. Angestellte
Note „sehr gut“ (0,8): Provinzial Hannover (VKA + u)
Note „gut“ (1,6): Signal Iduna (Exklusiv 1)
Note „gut“: Signal Iduna (Komfort plus).